Tag 5: Königliche Wohnstätten im Dies- und Jenseits

20. Juni 2012. 23:15 Uhr. Raum 304, Thai Binh Hotel. Hue, Vietnam.

Ankunft in Hue

Ankunft in Hue

Der Nachtzug kam relativ pünktlich um kurz nach 8:00 Uhr in Hue an. Für die etwa 600 Kilometer von Hanoi brauchten wir also etwa 13 Stunden – eine Zeit, die nicht mal der IC 2020 schafft, der von Frankfurt nach Hamburg für die gleiche Entfernung „nur“ acht Stunden benötig und schon an jeder Milchkanne hält. Am Ankunftsgleis konnte sich jeder Reisende gleich mit allem Lebenswichtigen versorgen: Wasser, rohem Fleisch, gegrilltem Fleisch, Hüten und Hue-T-Shirts.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, wollten wir ein paar nette Ecken von Hue selbst erkunden, bevor es später mit der Gruppe zur Zitadelle gehen sollte. Leider war unsere Karte nicht ganz so detailgetreu und verfügte über keinerlei Straßennamen. So irrten wir eine Zeit lang durch die Stadt und konnten schon die ersten Eindrücke gewinnen. Hue wirkt auf jeden Fall um einiges angenehmer als Hanoi. Allein schon die Luftfeuchtigkeit scheint hier nur halb so hoch zu sein, bei 35 bis 37°C war es aber dennoch schweinewarm. Hue ist auch etwas leiser als Hanoi, wo man rund um die Uhr nichts anderes als Straßenlärm in den Ohren hat. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass hier weniger Mopeds unterwegs wären. Vielleicht sind es einfach die Ampeln, die die ganze Szenerie zu beruhigen. Was jetzt vielleicht ein bisschen zu Deutsch klingt, aber trotzdem sehr angenehm ist, ist, dass sich Kanalisation und Kabelei unterhalb der Erde abspielen. Zumindest ersteres ist ein sehr großer Vorteil.

Das alles bedeutet aber nicht, dass wir Hanoi nicht mochten. Im Gegenteil. Der Lärm, das Chaos auf den Straßen, die Hitze usw. sind der Kulturschock, den man benötigt, wenn man in dieses Land reist. Hanoi ist toll! Fahrt mal hin!

Parfümfluss

Parfümfluss

In Hue gibt es viel mehr Touristen. Oder sie sind aufgrund der Größe der Stadt nur konzentrierter. Das ist aber ausnahmsweise mal nicht unangenehm, sondern führt dazu, dass die Menschen öfter mit Touristen zu tun haben und nicht dermaßen schmerzfrei versuchen, alle auszunehmen. Wir bezahlen auch hier natürlich mehr als die Vietnamesen, was man immer wieder sieht, wenn wir mit Tuan essen gehen. Aber der Ausländeraufschlag hält sich in Grenzen.

Da wir also sicher waren, unsere Ziele ohne Straßennamen auf der Karte und an den Straßen nicht finden zu können, gingen wir zurück Richtung Norden, um am Parfümfluss ein bisschen spazieren zu gehen. Wir fanden ein Café auf dem Fluss und hatten Eiskaffee (schwarzer Kaffee auf Eiswürfeln), Wasser und Obst für 100.000 Dong (4 Euro). Als wir uns auf den Weg zum Hotel machten, um noch eine Stunde Mittagsschlaf vor dem Gruppenausflug zu bekommen, konnten wir die Vorbereitungen des Cafés für das Abendbrot beobachten. Es sollte wohl Fisch aus dem Parfümfluss geben und Kellner müssen hier also auch angeln können.

Zitadelle

Zitadelle

Hue war lange Zeit die Hauptstadt Vietnams und damit Sitz der Könige. Die Zitadelle war deren Festung, in der regiert, gewohnt und gearbeitet wurde. Leider wurden im Amerikanischen Krieg, wie der Vietnam-Krieg hierzulande genannt wird, die meisten Gebäude zerstört. Neben dem Palast der Großen Freude, in dem Sitzungen abgehalten, Gäste empfangen und Geburtstage gefeiert wurden, stehen noch das Haus der Mutter des Königs und das Teehaus. Das war es dann aber auch schon fast.

Von der Verbotenen Violetten Stadt gibt es nur noch Grundrisse und Mauern mit Einschusslöchern zu sehen. Hier lebte der König mit seinen etwa 100 Frauen (davon eine Hauptfrau), mit denen er jeweils zwei bis drei Kinder hatte. Eine Frau wusste immer dann, dass sie sich auf eine Nacht mit dem König vorbereiten musste, wenn vor ihrer Haustür eine rote Lampe aufgehängt wurde. Echt praktisch!

Da der König Elefanten hatte, leben auch heute noch zwei davon auf einer großen Wiese in der Zitadelle. Diese haben heute im Gegensatz zu ihren Vorgängern aber keine militärische, sondern eine touristische Bedeutung. Sie können von Besuchern geritten werden, was allerdings weder für die Elefanten noch für die Touristen besonders angenehm aussieht.

Teil des Königsgrabs

Teil des Königsgrabs

Nach dem Besuch der Zitadelle ging es weiter zum Grab des dritten Königs der letzten Dynastie, das etwas außerhalb von Hue lag. „Grab“ ist hier vielleicht auch das falsche Wort. Da die Vietnamesen an ein Leben nach dem Tod glauben, gilt das Grab als Haus, in dem der Verstorbene die Ewigkeit verbringt. Dementsprechend wurde hier ein zweiter, etwas kleinerer Palast auf einem parkähnlichen Gelände für den König gebaut. Diesen Bau hatte er schon etwa zehn Jahre vor seinem Tod in Auftrag gegeben, da ja noch der richtige Ort gefunden und nach Feng Shui-Regeln bebaut werden musste. Und weil der König ein großer Poet und schon vor seinem Ableben regelmäßig zu Gast war, gibt es einen kleinen See mit einem Lotusfeld, ein Lesehaus auf dem See und einen Garten mit vielen Bäumen und Grünzeug.

Auf dem Gelände ist ein Platz mit Mauern abgetrennt, unter dem der König begraben wurde. Die genaue Stelle ist aber geheim, damit kein späterer König oder Eroberer das Grab plündern und die Leiche schänden konnte, was in der Vergangenheit oft passiert war.

Wieder zurück in Hue gingen wir erst mal mit den anderen aus der Gruppe Abendbrot essen, im Golden Rice Restaurant. Denis hatte Hähnchen mit Sesam serviert in Bambus und ich hatte Schwein mit Ananas serviert auf Porzellan. Danach gingen wir in eine Bar, die wir nach dem 2-for-1-Happy-Hour-Angebot wieder verließen, da alle zwei Minuten hyperaktive Kellner vorbei kamen und fragten, ob wir nicht noch mehr trinken oder Jenga spielen wollten. Wir fanden schließlich noch eine andere Bar, in der es kein Jenga gab und das eine oder andere Getränk serviert wurde. Den Weg zurück zum Hotel fanden wir widererwarten ohne uns zu verlaufen.

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