Tag 5: Oliven, Leonardo und eine Halbzeit HdZ

13. Oktober 2011. 21:20 Uhr. Florenz S.M.F., Italien.

Gestern haben wir eine ganze Menge gelernt. Zum Beispiel folgendes:

  • dass unreife Oliven nicht schmecken,
  • dass italienische Autofahrer um einiges schmerzfreier sind, als wir dachten,
  • dass Leonardo da Vinci eigentlich alles erfunden hat, was man zum Leben braucht, weil er Langeweile hatte,
  • dass man in italienische Fußballstadien in der zweiten Halbzeit nicht mehr hinein kommt,
  • dass vier Sterne nicht gleich vier Sterne sind.

Aber jetzt mal ganz von vorne:

Nachdem wir alle wichtigen Angelegenheiten (duschen, Frühstück, auschecken) erledigt hatten, machten wir uns mit unserem Kia Cee’d unter Anleitung von Tante Hildegard, unserem Navi, auf den Weg Richtung Florenz. Da wir nicht gleich durchbrettern wollten, suchten wir uns ein paar Unterwegsziele aus, um die Toskana ein bisschen zu erkunden. So waren wir auf dem Weg nach Florenz, das auf direktem Weg etwa 80 Kilometer von Lucca entfernt liegt, sieben Stunden unterwegs.

Toskana

Toskana

Nachdem wir uns Pescia aus dem Auto heraus angeschaut haben, hieß der erste Halt Montecatini Terme. Hier ging es durch einen großen Park mit vielen Pinien herunter zur Therme, die wir nur von außen besichtigten. Ein paar Minuten weiter lag der Ort Monsumano Terme, dessen Therme wir ebenfalls besuchen wollten. Da die Italiener es nicht so mit dem Ausschildern haben und Tante Hildegard die Therme nicht kannte, wurde daraus nichts.

Nun wollten wir mal ein bisschen höher in die Berge fahren, um ein paar abgelegenere Orte zu sehen und tolle Aussichten zu genießen. Wir gaben ein paar Orte ins Navi ein, die aussahen, als würden sie in den Bergen liegen (an langen Straßen mit vielen engen Kurven) und ab dafür. Was folgte, war eine ca. zweistündige Fahrt immer höher in die Apeninen. Die Orte, wenn wir denn mal welche gefunden haben, waren klein und verschlafen, die Landschaft war wunderschön und im Hintergrund lief passend dazu italienische Musik („Radio Italia – solo la musica italiana“). Leider hingen die Wolken sehr tief, sodass die Ausblicke nicht immer kilometerweit waren.

Straße in den Apeninen

Straße in den Apeninen

Die Straßen waren extrem eng. An jeder Kurve hatte man Angst, dass ein anderes Auto von vorn kam. Eigentlich hatte man immer Angst, dass jemand von vorn kam. Denn auf keinen Fall hätten hier zwei Autos nebeneinander auf die Straße gepasst, auch nicht auf italienische Art. Aber wir hatten Glück und die Fahrzeuge, die uns entgegen kamen, hatten immer eine Ausweichmöglichkeit.

Als es dann wieder bergab ging, wurden die Straßen breiter und der Verkehr nahm zu; es gab jetzt sogar LKW. Die Straßen blieben jedoch genauso kurvenreich wie zuvor. Die LKW-Fahrer meinten es sicher nur gut, als sie immer weiter am Rand fuhren und Zeichen zum Überholen gaben. Wenn sich aber Kurve an Kurve reiht und die Sicht nie weiter ist als 20 Meter, ist das mit dem Überholen irgendwie nicht so eine gute Idee. Fanden wir zumindest. Alle anderen Autofahrer waren nicht solche Weicheier und fuhren frisch-fröhlich an den LKW vorbei. Eigentlich ein Wunder, dass hier nicht jeden Tag mehrere Unfälle passieren.

Oliven

Oliven

Nun ging es weiter nach Vinci und zum Casa Natale di Leonarde, der Heimatstadt und dem Geburtshaus Leonardo da Vincis. Die Gegend um Vinci ist fast noch schöner als die in den Bergen, die wir zuvor gesehen hatten. Es gibt dort so viele Olivenplantagen, dass man gar nicht dachte, in der Region Chianti zu sein. Rebstöcke waren hier eher die Ausnahme.

Da wir an so vielen Olivenbäumen vorbei gefahren sind, kamen wir auf den Gedanken, dass wir gar nicht wissen, wie frische Oliven eigentlich schmecken. Den Geschmack von Olivenöl und eingelegten Oliven kennen wir ja, aber den von frischen Oliven? Also haben wir angehalten und ein paar Oliven gepflückt, was gar nicht so einfach war, weil die Bäumen auf Schrägen standen. Die Oliven sahen aus wie Weintrauben und waren sehr hart. Beim ersten Biss was bereits klar, dass sie noch nicht reif waren. Sie schmeckten übrigens wie viel zu harte eingelegte Oliven, nur nicht so intensiv und viel, viel zu bitter.

Am Geburtshaus von Leonardo da Vinci angekommen, machten wir folgende Feststellungen:

  1. Mehr als Oliven ernten und sehr viel nachdenken konnte Leonardo in seiner Freizeit gar nicht. Das Haus steht auf einem sehr hohen Hügel über dem eigentlichen Ort Vinci inmitten von hunderten Olivenbäumen. Da kann man ja auch nur über alles und jeden nachdenken und alles erfinden, was es noch nicht gibt.
  2. Wenn das Haus authentisch war, stammen auch Bagger und Starkstromleitungen von Leonardo. Wenn nicht, wurde wohl gerade renoviert.

    Panzer Leonardos

    Panzer Leonardos

Dann fuhren wir weiter nach Vinci. Hier besuchten wir das Leonardo da Vinci-Museum und waren sehr beeindruckt von dem, was dieser Mann sich alles hat einfallen lassen. Viele seiner Pläne waren als Holzmodelle nachgebaut und verdeutlichten, wie genial der Mann war. Neben allerlei Apparaturen zum Fliegen und Tauchen gab es etliche Studien zu Optik und Perspektive, Geräte zur Wettermessung und ein paar alltägliche Instrumente wie z.B. eine Olivenpresse und einen Ventilator. Interessant waren auch die Kriegsgeräte, wie z.B. der erste Panzer – ohne Räder, dafür in der Optik ein spitz nach oben zulaufenden Schildkröte mit Ausguck.

Anschließend hielten wir noch an einer Villa der Medici und dann ging es weiter zum Hotel. Dieses haben wir dank Tante Hildegard auch schnell gefunden. Wir waren allerdings ein bisschen erschrocken, dass dieses Hotel vier Sterne haben sollte, genauso viele wie das in Lucca. Es war sehr alt und schon ein bisschen heruntergekommen. Unser Toilettendeckel hing nur noch an einem Scharnier und die Matratzen waren so durchgelegen wie wir es noch nicht erlebt haben. Außerdem roch es im ganzen Haus echt seltsam.

Medici-Villa nahe Florenz

Medici-Villa nahe Florenz

Abendbrot gab es ab 19:30 Uhr, was unsere Abendplanung ein bisschen durcheinander brachte. Unser Abendprogramm, ein Spiel in der dritten italienischen Liga im 20 Kilometer entfernten Prato, sollte bereits um 20:30 Uhr angepfiffen werden und laut Navi sollte es eine halbe Stunde Fahrt dorthin sein. Da wir aber Hunger hatten und das Abendbrot im Hotel sowieso bezahlen mussten, beschlossen wir, uns zu beeilen und zur zweiten Halbzeit zum Spiel zu gehen. Da Kellner und Küche unseres Hotels nicht die schnellsten waren, ging es nicht anders.

Pünktlich zum Ende der ersten Halbzeit waren wir am Stadion. Also schnell zum Eingang und rein. Denkste! So leicht war das nun auch wieder nicht. Da wir keine Eintrittskarten hatten, sollten wir zum Eingang auf der anderen Seite des Stadions gehen. Hörte sich kürzer an als es war. Das Stadion lag auf einer Seite an den Bahngleisen und auf der anderen Seite direkt an einem Fluss. Da über die Gleise kein Weg führte, gingen wir über die Brücke auf die andere Seite des Flusses und immer am Ufer entlang. Tja, und da Brücken sich nicht nach den Bedürfnissen von Fußballfans richten und wir nicht zurück ans andere Ufer schwimmen wollten, waren wir ca. 20 Minuten unterwegs zum anderen Eingang. Fünf Minuten nach Anpfiff der zweiten Halbzeit waren wir also drüben, um uns dann sagen zu lassen, dass wir ohne Tickets nicht reinkommen würden, dass keine Tickets mehr verkauft würden und dass das Spiel ja eh schon fast vorbei wäre. Arg!

Stadion in Prato

Stadion in Prato

Als wir keinen anderen Eingang mehr gefunden haben, setzten wir uns also ans Ufer des Flusses und hörten uns 40 Minuten lang die zweite Hälfte an. Das Spiel war arm an Torchancen und es gab ein paar böse Fouls und Fehlentscheidungen des Schiris – zumindest aus Sicht der Heimfans. Wir waren erleichtert, dass kurz vor Ende noch ein Tor fiel, da wir noch ein weitere 0:0 nicht verkraftet hätten. Wir sind uns aber nicht sicher, ob es auch gefallen wäre, wenn wir im Stadion gewesen wären. [Nachforschungen im Nachhinein haben ergeben, dass Prato 2:1 statt, wie gedacht, 1:0 gewonnen hat.]

Die Stimmung war sehr gut und das eine oder andere Lied hätten wir zumindest mitsummen können. Wir wissen jetzt auch, woher unsere Capos die Idee mit den 20-Minuten-Dauergesängen haben. Kleiner Tipp, Jungs: In Italien klappt das, weil die Italiener ein anderes Temperament haben als Mecklenburger und weil die italienischen Lieder mehr Text haben als „Schalalalala“.

Unsere Hoffnung, dass wir nach dem Spiel einfach über’s Stadiongelände gehen können, erfüllte sich nicht. So hatten wir wieder einen 20-Minuten-Marsch zum Auto. Da die Straßen sehr weiträumig abgesperrt worden waren und Tante Hildegard sich auch nicht so gut auskannte, irrten wir noch ein bisschen durch die Gegend, fanden den Weg zum Hotel aber trotzdem. Dann ab ins durchgelegene Bett und warten auf die Rückenschmerzen am nächsten Morgen. Buonanotte, Firenze!

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