Tag 6: Ein Fiat 500 ist kein Offroad-Fahrzeug

1. November 2012. 22:23 Uhr. Zimmer 526, Etap Hotel Airport. Nizza, Frankreich.

Da es immer günstiger ist, ein gemietetes Auto dort abzugeben, wo es angemietet wurde, ging es heute zurück nach Nizza. Und weil wir den Weg entlang der Küste schon kannten, wählten wir eine Route durch das Gebirge, um die Provence etwas besser kennen zu lernen.

Provence

Provence

Das erste Unterwegsziel hieß Avignon, das wir nach nur drei Stunden erreichen sollten. Wir schnitten Marseille am Rande und können uns nun ganz gut vorstellen, warum hier gerade ein Bandenkrieg herrscht. Sehr idyllisch ist der Stadtrand nun wirklich nicht.

Daher verließen wir die Stadt bzw. deren Rand wieder sehr schnell und fuhren gen Norden. Es bot sich uns ein Bild wie es ein Film nicht kitschiger hätte zeigen können. Das Wetter war super, wir fuhren über eine flache Ebene mit Bergen im Hintergrund und überall waren Felder und Wasser.

In Avignon angekommen, fuhren wir in das erstbeste Parkhaus in der Innenstadt, das sich als sogar für unsere Knutschkugel zu eng herausstellte. Wie die Leute mit ihren Geländewagen da unversehrt rein und raus kommen und aussteigen können, wenn sie irgendwie geparkt haben, ist uns ein Rätsel. Denn mehr als einen Spalt breit ging hier keine Autotür auf. Denis musste sogar auf meiner Seite aussteigen, weil bei ihm kein Platz war.

Avignon

Avignon

Aber wie die Franzosen überhaupt Auto fahren, ist sehr spannend. Hier ist jeder noch so poplige Kreisverkehr zweispurig. Bleibt man auf der äußersten Spur, wird man blöd angeguckt, von den Leuten, die in den Kreisel hinein fahren wollen. Will man aber von der inneren Spur aus den Kreisverkehr verlassen, haben die Fahrer hinter einem ein Problem damit. Hier kann man es auch niemandem Recht machen.

Es stellte sich jedenfalls heraus, dass wir über dem örtlichen Marktplatz geparkt hatten, auf dem der Wochenmarkt gerade in vollem Gange war. Es gab Stände mit frischem Fisch, Fleisch, Gemüse, Brot und frischen Pralinen  und die Leute waren ganz entspannt unterwegs und erledigten ihre Einkäufe. Nachdem wir alles gesehen hatten, gingen wir nach draußen und spazierten ein bisschen durch die Innenstadt.

Leider ist heute Allerheiligen, weshalb die meisten Geschäfte geschlossen waren und die Stadt ziemlich leer wirkte. Wir liefen über das Gelände des Papstpalastes, konnten ein bisschen auf die Stadt schauen und hatten einen Espresso auf dem zentralen Platz vor unserem Parkhaus.

Nachdem wir uns aus diesem heraus gezwängt hatten, fuhren wir also weiter, genossen die noch flache Gegend und entfernten uns immer weiter vom Meeresspiegel. Wir fuhren durch ein paar hübsche Örtchen und erreichten schließlich einen wunderschönen See mit toller Aussicht, stiegen dort aus und genossen die Ruhe und die Bergluft.

Blick vom Dorf auf den See

Blick vom Dorf auf den See

Weiter ging es Richtung Nizza über ein paar Berge, wo wir noch mehr Gegend zu sehen bekamen, die hauptsächlich aus Feldern, Felsen und Wasser besteht. Hin und wieder passierten wir einen kleinen Ort oder Bauernhof.

Auch am nächsten großen See legten wir einen Zwischenstopp in einem sehr idyllischen Dorf direkt am Wasser ein. Wir spazierten durch die engen, verwinkelten Gassen und konnten auch hier Ruhe und Aussicht genießen.

Da es bereits angefangen hatte zu dämmern, mussten wir die letzten Unterwegshalte streichen und mehr oder weniger direkt nach Nizza fahren. Sehen würden wir im Dunkeln sowieso nicht mehr viel und das Auto musste um 20:00 Uhr wieder abgegeben werden.

Offroad-Strecke

Offroad-Strecke

Unser direkter Weg führte durch ein Offroad-Gelände, von dem wohl vorher niemand gedacht hätte, dass unser Fiat 500 dieses unbeschadet übersteht. Die Straße bestand ausschließlich aus weißen Steinen und Pfützen, in denen unsere Reifen wohl bis über die Hälfte verschwanden. Denis hatte Mühe, den Kleinen durch die Pfützen und über die Steine zu lenken und dabei weder aufzusetzen noch stehen zu bleiben. Wir kamen aber widererwarten unversehrt durch das Gelände, waren froh darüber und hatten nun ein ziemlich dreckiges Auto.

Das war allerdings noch nicht das schlimmste an der Rückfahrt. Unser Weg führte uns nämlich über die D 71, die im ersten Moment sehr unscheinbar klingt. Diese Straße führte aber immer weiter den Berg mit der Wolke an der Spitze hinauf, den wir schon die ganze Zeit gesehen hatten. Wir hatten uns bis dahin nicht mal im Traum ausgemalt, dass wir heute noch auf diesen Berg fahren würden.

Sonnenuntergang an der D 71

Sonnenuntergang an der D 71

Zuerst bescherte uns die D 71 ein tolles Panorama der Berge im Sonnenuntergang. Danach folgten aber 37 Kilometer den Berg hinauf, ohne eine Ortschaft unterwegs. Wir kamen fast bis an die Wolke heran und befanden uns unterwegs auf 1.180 Metern. Neben der Fahrbahn ging es steil abwärts, Leitplanken gab es nicht überall und die Straßen waren nicht gerade die breitesten. Das war aber kein großes Problem, denn unterwegs sind uns eh kaum Autos entgegen gekommen. Für zwei Flachlandkinder wie uns ist das nicht immer so ganz angenehm gewesen. Das schlimme war eigentlich, dass wir ja nach unten ans Meer wollten und mussten, es aber nach jeder Kurve noch weiter nach oben ging und mittlerweile stockdunkel war.

Auf einem Stück ohne Abgrund links und rechts gab es dann zur Krönung noch einen WildZIEGENwechsel.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es vollkommen überraschend dann doch wieder bergab und wir kamen mit etwas Verspätung in Nizza an. Jetzt sind wir in einem Hotel am Flughafen, weil unser Flug nach Paris morgen Früh schon um 6:30 Uhr geht. Wer hat das bloß gebucht?

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