Tag 6: „Einmal Strandurlaub, bitte. Aber ohne Kuba.“

1. Juli 2014. Santa Clara, Zentralkuba – Cienfuegos, Zentralkuba. 300 Kilometer.

Santa Clara - Cienfuegos. 300 Kilometer.

Santa Clara – Cienfuegos. 300 Kilometer.


Da um 9:00 Uhr das Che Guevara-Mausoleum öffnen sollte, waren wir um kurz nach 9:00 Uhr vor Ort. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass die Öffnungszeit an diesem Tage auf 9:30 Uhr verschoben wurde. Der Grund ist uns nicht zu hundert Prozent klar, aber der Guide der niederländischen Reisegruppe, der wir uns kurzzeitig angeschlossen hatten, erklärte allen Zuhörern, dass es dort sonst mehr Licht gäbe. Vielleicht war der Lichtmangel, der eigentlich behoben werden sollte, der Grund für die Verzögerungen. Man weiß es nicht genau.

Das Che-Mausoleum stand – wie wahrscheinlich jedes andere auf der Welt – auf einem überdimensionierten, leeren Platz. Dort war außer Flutlicht und zwei Propaganda-Plakaten nicht viel zu sehen. Auf einem davon stand ein Zitat Fidel Castros: „Queremos que sean como el Che“. („Wir wollen sein wie Che.“) Achso.

Che Guevara-Mausoleum

Che Guevara-Mausoleum

Das Gebäude selbst war ziemlich klein, dafür aber mit einer riesigen Che-Statue bestellt. Es teilte sich in zwei Hälften: links die Grabkammer und rechts das Museum. In ersterer sind die Gebeine Ches und seiner Gefolgsleute beigesetzt. Guevara ist 1967 bei einem Gefecht in Bolivien gefallen, seine Gebeine wurden aber erst 1997 wieder entdeckt und an Kuba zurückgeführt. Die Gräber selbst waren in die Wand eingelassen und mit Schildern versehen, auf denen die Namen der dort Beigesetzten standen. Die Atmosphäre war ziemlich feierlich. Dar Raum war größtenteils mit Naturstein verkleidet und in einer Schale brannte eine kleine Flamme.

In dem Museum im anderen Teil des Gebäudes sind viele Gegenstände ausgestellt, die von Che im Laufe seines Lebens benutzt worden sind, z.B. ein Mikroskop, ein Kittel (er war Arzt), viele Waffen, eine Uniform und einiges mehr. Bis auf benutztes Toilettenpapier war fast alles dabei. Nebenbei wurden Fotos gezeigt, die im Laufe seines Lebens entstanden waren und dieses dokumentierten.

In diesem Museum haben wir nebenbei noch die peinlichsten zwei Menschen der Welt und gleichzeitig den Grund gesehen, warum niemand deutsche Touristen mag: Ein Mann und eine Frau, beide etwa Anfang bis Mitte Dreißig, bis dahin alles gut. Das Peinliche an den beiden war nur, dass sie ein Deutschlandtrikot trugen. Beide das gleiche. An diesem Ort. Viel unpassender kann man sich wohl kaum kleiden.

In solchen Situationen gibt es nur eine mögliche Reaktion: wegschauen, nicht bewegen (Dann sehen sie dich vielleicht nicht.) und Fresse halten. Nicht dass sie – oder noch schlimmer andere Leute – noch merken, dass wir auch Deutsche sind.

Damm nach Cayo Santa Maria

Damm nach Cayo Santa Maria

Das Mausoleum war im Übrigen die erste Attraktion auf Kuba, für die wir kein Geld bezahlen mussten. Aber alles, was in einem unmittelbaren positiven Zusammenhang zur Revolution steht, soll ja für alle und jeden frei zugänglich sein.

Bevor wir zu unserem Tagesziel Cienfuegos aufbrechen wollten, haben wir uns heute mal ein Zwischenziel ausgesucht, das einen sehr großen Umweg bedeutete, aber eine tolle Zeit versprach: Cayo Santa Maria. Eine kleine Insel nördlich von Kuba, laut unserem Reiseführer mit vielen schönen Stränden gespickt und touristisch noch nicht allzu stark erschlossen. Klang super, also nahmen wir 200 Kilometer gern in Kauf.

Wir fuhren erst fünfzig Kilometer nach Norden und durften dann gegen eine Gebühr von zwei CUC auf den fünfzig Kilometer langen Damm fahren, der zur Insel führte. Die Fahrt war super, links und rechts der Straße nur Wasser, das schon Lust auf den Strand machte, der sicher nur auf uns wartete.

Auf der Insel angekommen, zeigte gleich das erste Straßenschild, direkt hinter dem kleinen Inselflughafen, einen Strand an. Weil wir nicht direkt am Flughafen baden wollten, wo zusätzlich auch noch so viele LKW hinfuhren, folgten wir der Straße weiter auf die Insel.

Strand auf Cayo Santa Maria

Strand auf Cayo Santa Maria

Nach ein paar Minuten zeigte ein Schild eine weitere Querstraße an, auf der zwar nur Hotelnamen standen, wovon wir uns allerdings nicht abschrecken ließen. Wir dachten, dass es dort schon einen öffentlich zugänglichen Strand geben würde, an dem wir ein bisschen baden und braun werden konnten. Tja, den gab es aber nicht. Zwischen zwei Hotels konnte man aber wenigstens parken und einen Blick auf den Strand und das Meer werfen. Ein Traum! Das Wasser war klar und warm, der Sand weiß und der Strand fast verlassen. Eigentlich perfekt. Wenn da nur nicht unser Auto gewesen wäre.

Neue Autos (Das sind auf Kuba alle, die in Deutschland kein H am Nummernschild tragen würden.) und vor allem Mietwagen sollte man auf Kuba nämlich nicht auf unbewachten Parkplätzen abstellen, da diese sonst relativ schnell abhanden kommen können. Auf so einer wenig bevölkerten Insel ist die Gefahr zwar nicht allzu groß, aber dieses Risiko wollten wir trotzdem nicht eingehen. Wir konnten uns nämlich besseres vorstellen als den Rest des Urlaubs ohne Auto und mit Schulden bei einem kubanischen Staatsunternehmen zu verbringen.

Also fuhren wir weiter. „Da wird schon noch was kommen.“, dachten wir. Es kam auch noch was. Weitere Hotels. Und zwischendrin keine Möglichkeit, das Wasser auch nur zu sehen. Am Ende waren wir dann schon so weit, dass wir in so einem Resort den Strand nutzen wollten und auch bereit waren, dafür zu zahlen. Tja, die Hotels wollten unser Geld allerdings nicht, da deren Strände exklusiv für deren Übernachtungsäste reserviert waren. Pisser!

Zwischen zwei Hotels gab es ein künstlich angelegtes Dorf, das wir uns einmal ansehen und auf einen Strandzugang untersuchen wollten. In diesem Ort gab es alles: kitschig und sehr wenig authentische Häuser, internationale Küche, Geschäfte mit vollen Regalen, viel zu laute englische Musik und eine Menge Ammis. Leider konnte man hier weder Kuba noch den Strand sehen.

Das Bild, das diese Touristen aus ihrem Kubaurlaub mit mach Hause nehmen werden, hat erschreckend wenig mit dem richtigen Kuba zu tun. Hier gab es nur eine heile Welt ohne materielle Not vorgespielt. Von der Mangelwirtschaft, den baufälligen Gebäuden, Autos in erschreckenden Zuständen und der hohen Arbeitslosigkeit bekommt hier niemand etwas mit. Und da diese Insel sogar ihren eigenen Flughafen hat, müssen die Leute nicht einmal durch das echte, auch mal unbequeme Kuba fahren und dessen mit Schlaglöchern übersehenen Straßen erleben. Unglaublich!

Wir hatten nun noch eine letzte Hoffnung: den Strand, der am Anfang der Insel, direkt hinter dem Flughafen ausgeschildert war. Wenigstens dort würden wir sicher baden gehen können. Also zurück, vor dem Flughafen rechts und nicht von den unbefestigten Straßen aus der Ruhe bringen lassen. Da vorne würde bestimmt gleich der Strand kommen. So weit konnte es wirklich nicht mehr sein. Und dann kam: eine Baustelle. Für ein weiteres Hotel. Ohne Zugang zum Strand. Arg! Diese Insel war wirklich der Inbegriff eines Touristengebietes. Niemand, der nicht im Hotel wohnt, kann dort etwas unternehmen. So kann man sich die lästige einheimische Bevölkerung auch vom Hals halten.

Cienfuegos

Cienfuegos

Sehr enttäuscht, aber dafür mit einem Eis von der Tankstelle, machten wir uns auf den Weg zur Südküste, nach Cienfuegos. Nachdem wir weitere zwei CUC bezahlt hatten, um vom Damm wieder auf das Festland fahren zu dürfen, erreichten wir Cienfuegos ohne weitere Zwischenfälle. Wir machten uns dann sogleich auf die Suche nach unserer Unterkunft, die laut Recherchen im Vorfeld dieser Reise direkt auf einer Landzunge in der Bucht liegen sollte. Und was soll ich sagen? Viel näher am Wasser hätte sie auch nicht liegen können. In beide Richtungen konnte man von der Terrasse vor unserem Zimmer aus das Wasser sehen. Und in die andere Richtung war es auch nicht mehr weit. Sehr schön, leider gab es hier trotzdem keinen Strand.

Wir liefen nach dem Ankommen direkt in die Innenstadt, die nicht weit vom Wasser, dafür aber weit von unserem Casa entfernt lag. Wir liefen also erst am Wasser und dann den Prado, die Hauptstraße, entlang Richtung Norden. Auf dem Weg wurden wir mal wieder von mehreren Leuten angesprochen, woher wir kämen. Das klingt im ersten Moment total nett und aufgeschlossen. Es ist auch echt beeindruckend, dass jeder, dem wir antworten, sofort mit „Alles klar?“ um die Ecke kommt. Leider enden solche Gespräche immer damit, dass man entweder in eine bestimmte Bar gehen oder Zigarren kaufen soll. Das ist schon hin und wieder etwas anstrengend.

Wir ließen uns aber nicht beirren oder in eine Bar überreden und landeten schließlich auf dem Boulevard, der zum Hauptplatz führte. Hier fanden wir etwas versteckt ein nettes Restaurant. Dieses hatte wie viele hier nur ein Gericht zur Auswahl: Fleisch oder Fisch nach Wahl mit Reis und einem Salat bestehend aus Gurken, Tomaten, Bohnen aus dem Glas, Weißkohl und grünem Salat.

Nach dem Essen und einigen rumhaltigen Getränken machten wir uns auf den Weg zurück. An der Hafenpromenade waren viele Kubaner unterwegs, die sich dort trafen und unterhielten. Nicht wenige hatten eine oder mehrere Falschem Rum oder selbst gemixten Cuba Libre dabei. Prost.

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