Tag 6: Gucci, Wochenmarkt und vegetarischer Schinken-Gemüse-Reis

21. Juni 2012. 20:32 Uhr. Zimmer 304, Thai Binh Hotel. Hue, Vietnam.

Heute haben wir den Anruf erhalten, dass Denis‘ Gepäck gefunden wurde. In. München. Es wurde dann gleich über Hongkong nach Hanoi geschickt. Wie es jetzt weiter geht, wissen wir noch nicht genau, aber es wird wahrscheinlich nach Da Nang gesendet, wo wir es morgen auf unserem Weg nach Hoi An abholen können.

Denis ist eigentlich gar nicht so glücklich darüber, dass er seinen Rucksack demnächst wieder bekommt. Jetzt, da er drei T-Shirts, drei Schlüpper, zwei kurze Hosen und zwei Paar Socken hat, meint er alles zu haben, was er braucht. Rick meinte jedenfalls schon, dass niemand glauben würde, dass Denis überhaupt im Urlaub dabei war und ich ihn nicht mit Photoshop auf die Bilder gebracht habe, weil er auf jedem Foto das Gleiche trägt.

Die Wäsche kann man hier in jedem Hotel waschen lassen. Daher reichen die Sachen eigentlich, die wir hier gekauft haben. „Die hätten das lieber wieder nach Hamburg schicken sollen. Dann hätte ich das da abgeholt, wenn wir zurück kommen.“ So hat Denis jetzt bald wieder einen eigenen Rucksack und ich muss meinen wieder selbst tragen. Wir haben daraus jedenfalls gelernt, dass wir für unseren nächsten Urlaub wahrscheinlich nur noch einen Rucksack benötigen. Entweder es gibt einen Wäscheservice im Hotel oder wir können es selbst durchwaschen. Probleme beim Trocknen gibt es hier jedenfalls nicht. Außerdem ist jedes Kleidungsstück sowieso spätestens nach einer halben Stunde durchgeschwitzt, sodass es keinen Unterschied macht, ob es nun frisch gewaschen ist oder nicht.

Temple! Very old!

Temple! Very old!

Nun aber man zu den wichtigen Dingen, die heute passiert sind. Wir haben eine Moped-Tour aufs Land gemacht und die war großartig! Jeder von uns fünf hatte einen Fahrer, bei dem er hinten drauf saß. Meiner war der Chef der Bande, der allerlei über die Umgebung zu berichten wusste. „Look, buffalo“, „Rice!“, „Duck! Quack, quack!“, „Temple! Very old!“. Es stand wirklich alle zwei Kilometer ein Tempel herum und der war immer sehr alt.

Wir hatten heute also die Möglichkeit, den Straßenverkehr von der anderen Seite aus kennenzulernen. Vom Moped aus. Und was sollen wir sagen, so gefährlich wie es von außen aussieht, fühlt es sich gar nicht an. Klar, jeder fährt da, wo es gerade am besten passt und wenn es auf der Gegenfahrbahn ist. Aber da keiner Stress macht, ist alles ganz entspannt. Warum das hier so gut klappt, ist klar. Jeder hat seine Augen immer offen und fährt nicht blind auf seiner Spur, ohne nach links und rechts zu schauen. Auch wenn wir fast einmal auf unseren Vordermann aufgefahren wären, weil mein Fahrer auf die Uhr geschaut hat.

Marken-Mopedhelm

Marken-Mopedhelm

Nach dieser Fahrt wird auch klar, wie die Vietnamesen alles – wirklich alles – auf ihrem Moped transportieren und machen können. Letztens haben wir eine dreiköpfige Familie auf ihrem Moped gesehen. Der Vater hatte einen großen Karton zwischen den Beinen und die Mutter, die hinten drauf saß, hielt den schlafenden Säugling im Arm. Ein anderer Mann hat als Beifahrer Zeitung gelesen und ein Typ hatte auf seinem Fahrrad einen Regenschirm (gegen die Sonne) in der einen Hand und sein Handy in der anderen.

Einen Mopedführerschein kann man hier mit 16 Jahren machen, Helmpflicht gilt erst ab 18. Das ist auch der Grund, warum sehr oft Kinder ohne Helm mitfahren, während die Erwachsenen einen tragen. Dafür gibt es hier wirklich nette Helme zu kaufen. Unser Favorit hat eine Form, die einem Basecap nachempfunden ist. Diese gibt’s natürlich in allen Marken – Nike, Versace, Gucci…

Auf dem Moped bekommt man durch den Fahrtwind nicht so viel von den heißen Temperaturen mit. Dafür sieht man die Gegend umso besser und die ist der Hammer. Über die kleinsten Feldwege ging es an hunderten Reisfeldern vorbei, über holprige Straßen durch Dörfer und durch enge, von allerlei Gestrüpp bewachsene Wege. Hier haben wir auch zum ersten Mal wild wachsenden Bambus und Bananenbäume gesehen.

Wochenmarkt

Wochenmarkt

Unser erster Halt war in einem kleinen Dorf, in dem gerade Wochenmarkt war, der dort aber wahrscheinlich jeden Tag stattfindet. Auf dem Weg vom Moped zum Markt hatten wir schon zwei Gänse gesehen, die wohl schon jemand gekauft haben musste, da sie in eine Plastetüte eingepackt waren.

Der Markt selbst war toll. Da gab es eine Obst-Ecke, eine Lebend-Geflügel-Ecke, eine Fisch-Ecke und eine Frischfleisch- und Schlachte-Ecke. Auch wenn man nicht direkt Hunger bekam, wenn man sich das so ansah, war es schon interessant zu beobachten. Ein echter Einblick in die Lebensweise der Vietnamesen auf dem Land.

Danach ging es durch einen unglaublichen Friedhof. Wir fuhren bestimmt eine Viertelstunde durch das Gelände, in dem man nichts weiter als Gräber sah, deren Anordnung keinem Muster folgte. Die Gegend war hügelig und von Gräsern und Bäumen bewachsen. Die Gräber waren kleine Nachbildungen von Tempeln, die als Haus der Seelen der Verstorbenen gelten. Es handelte sich um den Stadtfriedhof von Hue, der aufgrund seiner Größe etwas außerhalb liegt.

Palast am Königsgrab

Palast am Königsgrab

Der nächste Halt war an einem Königsgrab, das ziemlich groß und schick war. Der Platz, an dem der König tatsächlich begraben worden ist, war leider verschlossen und konnte nicht besucht werden. Es gab allerdings auch hier einen Palast, vor dem Statuen von Elefanten, Pferden und Beratern standen, die der König schließlich auch nach seinen Tod gebrauchen kann. Außerdem standen auf dem Gelände zwei Steinsäulen, die die Macht des Königs verdeutlichen sollen und eine große Steintafel, auf der dessen Leben erzählt wird.

Nun ging es weiter zu einigen Bunkern, die noch Spuren des Krieges trugen und auf einer Anhöhe lagen. Von dieser aus konnte man früher schnell den Feind sehen und heute einen tollen Ausblick auf den Parfümfluss und dessen Umgebung genießen.

Der nächste Halt war in einem Dorf, in dem Räucherstäbchen hergestellt und verkauft wurden. Verkauf fand dort nicht an einem Stand statt, sondern an bestimmt zwanzig Ständen, die alle nebeneinander aufgebaut waren. Ich durfte bei einer Ladenbesitzerin die Toilette besuchen. Der Eingang zur Wohnung befand sich direkt neben dem Laden. Es ging durch den Flur, die Küche, an der Waschmaschine vorbei in den Raum, in dem sich nur die Toilette befand. Das Waschbecken war nebenan, in dem Raum mit der Dusche, in der gerade Wäsche eingeweicht wurde.

Festmahl

Festmahl

Ein paar Kilometer weiter kamen wir in das buddhistische Kloster, in dem wir Mittag essen sollten. Draußen wurden die Schuhe ausgezogen und in einem offenen Nebenraum des Gebetsraumes stand schon unser gedeckter Tisch bereit. Es war noch ein Gebet in Gange, sodass wir beim Essen dem Gesang der jungen Mönche und Nonnen lauschen konnten. Tuan hatte uns zum Mittag eine vegetarische Mahlzeit angekündigt. Bis auf die Schinkenwürfel im Gemüsereis hatte er damit auch vollkommen Recht. Das Essen war richtig lecker und rustikaler als in den Restaurants. Es gab neben Schinken-Gemüse-Reis auch Salat, Suppe, Tofu-Curry, etwas Frittiertes mit Dipp, Krabbenchips,Brot und eine Banane.

Als wir eigentlich schon fertig waren, kam eine ältere Nonne vorbei, die anscheinend nicht zufrieden war mit dem, was wir gegessen hatten. Sie tunkte Denis‘ Brot in das Curry und drückte es ihm wieder in die Hand und füllte mir noch Reis auf. Als wir sie dann davon überzeugt hatten, dass wir satt waren und gezahlt hatten, ging es weiter mit dem Moped.

Moped-Brücke

Moped-Brücke

Wir hielten noch einmal an einem Kollosseum, in dem früher Tiger- und Elefantenkämpfe ausgetragen worden sind. Und danach brachten uns unsere Fahrer zum Fluss, wo unsere Bootstour beginnen sollte. Dazu mussten wir aber erst mal zurück nach Hue. Dorthin ging es durch einige enge Wege und über eine Eisenbahnbrücke, an deren Rand es zwei Bahnen für Mopeds gab, eine in jede Richtung. Diese Bahnen waren tatsächlich nur für Mopeds gedacht, etwas anderes hätte nicht durch gepasst. Neben der Brücke gab es einen Steinbruch oder ähnliches, an dem viele Menschen arbeiteten. Da es aber um die Mittagszeit war und es in Vietnam zu dieser Zeit sehr warm ist, lagen viele der Männer im Schatten unter der benachbarten Brücke und schliefen. Einer hatte sogar ein reich verziertes Holzbett aufgebaut.

Direkt hinter der Brücke waren wir noch mitten im Nichts. Alles war grün und die Wege unbefestigt. Eine Abbiegung später befanden wir uns schon wieder direkt im Gewimmel Hues.

Direkt an der Bootsanlegestelle befand sich ein Tempel, den wir noch besuchten. Im Gebetshaus galt es wieder, barfuß zu laufen. Hier gab es auch einen Teller für Opfergaben, auf dem Bananen und Geld lagen. In einem anderen Tempel hatten wir mal gesehen, dass jemand zwei Zigaretten geopfert hat.

Unser Boot

Unser Boot

Danach spazierten wir durch die wunderschöne Anlage, die angelegt war wie ein großer Garten mit vielen Bäumen und Beeten. Die Gartengestaltung und -pflege haben die Vietnamesen ja echt raus.

Zurück am Fluss fanden wir unser Boot, das ein kleiner Kutter war, in dem einzelne Plastikstühle hintereinander aufgereiht waren. Das machte aber nichts, denn unterhalten konnte man sich sowieso nicht. Dazu war der Motor ein bisschen zu geräuschintensiv. Man hatte vom Fluss einen schönen Blick auf die Gegend. Unsere Mopedfahrer holten uns am Ziel ab und brachten uns zurück zum Hotel.

Nachdem wir sie bezahlt und uns bedankt hatten, ging ich mich erst mal abspülen. Durch den ganzen Staub, der überall auf der Haut klebte, war auch schnell klar, warum viele Mopedfahrer einen Gesichtsschutz tragen und gerade Frauen langärmlich unterwegs sind. Auch wenn es nicht erklärt, warum man Handschuhe tragen muss, was hier auch viele tun. Viele haben richtige Mopedjacken, deren Kragen so hoch geht, dass er als Gesichtsschutz getragen werden kann und deren Ärmel so lang sind, dass sie die Hände abdecken. Diese tragen werden übrigens nicht nur wegen des Staubes getragen, sondern auch, damit der Träger nicht braun wird. Das gilt nämlich nicht als hübsch. Verrückte Welt. Solarien gibt es hier übrigens nicht.

Nach einem Mittagsschläfchen gingen wir mit Tuan und der Gruppe in ein Restaurant in der Nähe des Hotels. Diese Nähe war aber auch das einzig Positive an diesem Schuppen. Die Kellner standen die ganze Zeit hinter uns, das Fleisch bestand mehr aus Knochen und Fett als Fleisch und alles musste sehr schnell gehen, vor allem das Aufessen. Na ja, wir sind wenigstens satt geworden und können jetzt schlafen gehen.

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