Tag 6: Viel Gold und Wasser in Peterhof

22. Juni 2013. Sankt Petersburg, Russland.

Nachdem der Tag gestern sehr lang war, begann der Tag heute entsprechend später. Gegen 12:00 Uhr versuchten wir, in der Bar unseres Hostels zu frühstücken. Für die Frühstückskarte war es leider zu spät, so suchten wir uns jeder ein Baguette von der Hauptkarte aus. „Karte“ ist vielleicht ein bisschen übertrieben, sagen wir lieber „Abschnitt auf dem Zettel, auf dem alle Gerichte und Getränke stehen“. Leider waren die Baguettes laut unserer Kellnerin alle aus, so bestellten wir Spiegelei mit Toast und Gemüse. Als einige Minuten später ein anderer Tisch mit Baguettes versorgt wurde, waren wir schon ein bisschen verwundert.

Das gleiche setzt sich heute Abend fort, denn die Quiche, die wohl aus sein soll, sehe ich auf einigen anderen Tischen stehen. Diskutieren bringt aber wenig, denn die Sprachbarriere scheint unüberwindbar. Wahrscheinlich hat unsere Kellnerin bloß nicht verstanden, was wir wollen. Na ja, wir werden wohl hoffentlich nicht verhungern.

Da sich Frühstück und Bezahlung etwas in die Länge zogen, waren wir erst gegen 13:20 Uhr am Baltischen Bahnhof, von dem um 13:40 Uhr unser Zug nach Peterhof abfahren sollte. Obwohl wir die Automaten aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten nicht bedienen konnten und wir uns am Schalter anstellen mussten, haben wir rechtzeitig Fahrkarten bekommen und konnten unseren Zug noch erreichen.

Im Zug nach Peterhof

Im Zug nach Peterhof

Jede Person übrigens, die einen Bahnhof betreten möchte, muss durch einen Metalldetektor wie am Flughafen, der natürlich immer mit mindestens einem Polizeibeamten besetzt ist. Diesen interessiert es aber wenig, ob der Detektor beim Durchgehen piept oder nicht. Auf kleineren Bahnhöfen ohne festen Metalldetektor sind meist zwei Beamte mit tragbaren Detektoren unterwegs, die wir bisher noch nicht im Einsatz gesehen haben.

Wir fuhren dann also mit der Regionalbahn nach Peterhof, einem Vorort von Sankt Petersburg, in dem sich das Schloss Peterhof befindet, das auch das „Versailles von Russland“ genannt wird. Es wurde von Peter I. als kleines Landhaus angelegt, in der Folgezeit von den Zaren ausgebaut und als Sommerresidenz genutzt.

Vorgarten

Vorgarten

Vor dem Schloss befindet sich ein großer Garten mit Springbrunnen, der toll anzuschauen ist. Allein dieser Vorgarten war größer und einladender gestaltet als alles, was wir bisher an Parkanlagen gesehen und hier erwartet hatten. Ganz weit im Hintergrund war der Grand Palace, also das Hauptanwesen, zu sehen und einige komplett vergoldete Kuppeln von kleineren Nebengebäuden.

Bevor wir uns aber dem eigentlichen Schauspiel, den Wasserspielen, widmeten, gingen wir erst einmal in das Schloss, für das selbstverständlich noch mal 550 Rubel (um und bei 14 Euro) pro Person fällig wurden. Der Eintritt in den Park hatte schon 450 Rubel (11 Euro) pro Person gekostet. Dafür hat es sich allerding echt gelohnt, denn der Grand Palace ist schon sehenswert. Jeder Raum, den man besuchen darf, unterscheidet sich komplett vom vorherigen und an der Inneneinrichtung wurde auch nicht gespart.

Schuhüberzieher

Schuhüberzieher

Neben einigen Räumen mit goldenen Ornamenten von oben bis unten gab es einige Gästezimmer mit komplett verschiedenen Themen, ein Musikzimmer, dessen Wände mit geschnitztem Holz verkleidet waren, das Zarenschlafzimmer, mehrere Räume, in denen von der Decke bis zum Boden Bilder hingen, ein chinesisches Zimmer und einige mehr zu sehen. Im Inneren galt leider ein sehr strenges Fotografiertverbot, das von mindestens einer Aufsichtsbeamtin pro Raum überwacht wurde.

Diese Damen sorgten auch dafür, dass man in Zimmern, in denen das nicht vorgesehen ist, stehen bleibt. Denn obwohl jeder Besucher Überzieher über seinen Schuhen tragen musste, schienen einige Fußböden doch sehr empfindlich zu sein. Die Räume, in denen man nicht stehen bleiben darf, durfte man sich dann allerdings von den benachbarten Räumen aus anschauen.

Wir schlossen uns einer Reisegruppe von deutschen Rentnern an, die eine deutschsprachige Führung bekamen und konnten so noch einige Informationen erlauschen. Die Führerin der Gruppe war eine ältere Russin, die ihren Vortrag in bester Lehrermanier hielt: „Dieser Spiegel war ein Geschenk von Ludwig dem XIV. Ludwig dem XIV!“ Die wichtigsten Informationen wiederholte sie sicherheitshalber noch einmal. Anschließend hätte nur noch die Frage gefehlt, ob das auch jeder notiert hat, denn das würde in der Klausur abgefragt.

Wir waren wirklich beeindruckt von den ganzen Räumlichkeiten, auch wenn nur etwa die Hälfte der unteren Etage zu besuchen war und der Fanshop am Ende des Museums fast halb so groß war wie die Ausstellungsfläche selbst.

Wasserspiele mit Blick Richtung Ostsee

Wasserspiele mit Blick Richtung Ostsee

Danach kamen dann endlich die Wasserspiele im Unteren Garten an die Reihe. Über 150 Fontänen, von denen die meisten vergoldet sind, zieren den Garten hinter dem Schloss. Die Wasserspiele überbrücken die etwa 15 Meter Höhendifferenz zum Kanal, der über 400 Meter in den Finnischen Meerbusen der Ostsee mündet. Das Ganze ist wirklich wunderbar anzusehen, aber nur schwer zu beschreiben. Es ist häuptsächlich golden, groß und golden. Und groß. Die Sommersonne auf den goldenen Statuen und Fontänen ließ die ganze Szenerie hell erstrahlen.

Nach dem ganzen Staunen hatten wir Hunger und stellten uns an einen kleinen Imbisswagen neben den Fontänen an. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde auf einen „Frentsch Dog“ (1:1-Übersetzung der kyrillischen in lateinische Schrift, bezeichnet eine Ketwurst mit Ketchup und Senf) und einen „Tschiesburger“ gewartet und uns anschließend damit gestärkt hatten, liefen wir ein bisschen durch den unteren Garten zur Ostsee. Hier hatten wir einen schönen Blick auf das Wasser, von dem wir in den nächsten zwei Wochen wohl nicht mehr viel sehen werden. Trotz der vielen Hinweisschilder, dass Schwimmen verboten wäre, waren eine Menge Leute im Wasser.

Wasserspiele aus der anderen Richtung

Wasserspiele aus der anderen Richtung

Nebenan gab es einen großen Bootssteg, von wo aus Schiffe nach Sankt Petersburg abfuhren. Leider hatten wir nicht mehr genug Bargeld dabei und konnten nicht mit Kreditkarte zahlen, sodass dieser Programmpunkt leider ausfiel, da weit und breit kein Geldautomat zu sehen war.

Wir liefen dann zurück Richtung Eingang und konnten das Wasserspiel noch einmal aus der Ferne und in voller Pracht betrachten. Dann war genug gestaunt und wir machten uns mit einem Eis und dem Linienbus auf den Weg zurück zum Bahnhof. Als Denis beim Fahrer für uns bezahlen wollte, wurde er eiskalt ignoriert und so war die Fahrt für uns umsonst. Dafür hatten aber liebevoll handgeflickte Ledersitze auf der Rückbank.

Fahrkarte

Fahrkarte

Zurück am Bahnhof gab es einen kurzen Schreck, weil der Schalter im Gebäude nicht mehr besetzt und unser Schein zu groß war für den Automaten. Wir fanden aber schließlich noch einen anderen, offenen Schalter und konnten unsere Fahrkarten für 50 Rubel (etwa 1,25 Euro) pro Person lösen, mussten noch 20 Minuten warten und konnten schließlich wieder nach Sankt Petersburg fahren.

Unser Ticket war übrigens ein kleiner Zettel, etwa halb so groß wie ein Kassenbon bei Rewe, wenn man nur eine Sache kauft, mit einem Strichcode. Mit diesem bewaffnet geht man zu den Drehkreuzen, die den Code scannen und einen dann auf den Bahnsteig lassen.

Jetzt haben wir Abendbrot gegessen und genehmigen uns noch ein Getränk in der Bar. Später wird schon mal gepackt, denn morgen geht es früh los Richtung Usbekistan. Unser Zug fährt um 7:30 Uhr ab.

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