Tag 6: Vier Minuten zu spät!

14. Oktober 2011. 8:00 Uhr. Zug München Hbf – Hamburg-Altona, Deutschland.

Aufgewacht sind wir mit den erwarteten Rückenschmerzen. Und beim Frühstück haben wir die Frühstücksgewohnheiten von Franzosen kennengelernt. Erst gibt es Käse mit ein bisschen Brot als Beilage und anschließend eine Schüssel Milch mit Kuchen, was gegessen wird wie Cornflakes.

Nach dem Auschecken wollten wir das Auto wieder bei Budget abgeben, da wir es nun nicht weiter benötigten. Tante Hildegard schlug ein paar Busspuren vor, aber nach einigen Umwegen über Autospuren sind wir doch noch in der Straße angekommen, in der die Autovermietung war. Ich war mal wieder froh, dass ich nicht als Fahrer unseres Wagens eingetragen war. Die Kreisverkehre in allen Größen und Formen, die ganzen Vespas und Roller und das dauernde „Jetzt im Kreisverkehr die 12. Abfahrt nehmen, danach gleich rechts abbiegen. Jetzt rechts abbiegen, danach gleich links halten“ von Tante Hildegard hätten mich wahnsinnig gemacht. Ich wäre wahrscheinlich eine halbe Stunde weinend durch jeden Kreisel gefahren.

Florentiner Dom

Florentiner Dom

Aber es ging alles gut, wir sind das Auto wieder los geworden und wollten nun unser Gepäck einschließen. Nach einigem Hin und Her zwischen Hauptbahnhof und Busbahnhof wurde das Gepäck abgegeben und das Sightseeing konnte beginnen.

Zuerst waren wir am San Lorenzo, wo in einer Kapelle die Grabmäler der Medici, einer reichen florentiner Handelsfamilie im Mittelalter, liegen. Der Eintritt hätte 8 Euro gekostet und eine Kontrolle wie am Flughafen mit Taschenscan und Abtasten wäre nötig gewesen.

Danach ging es ein paar Meter weiter zum Dom. Dieser war wunderschön und von oben bis unten sehr detailreich verziert. Wir nahmen uns auch vor, hinein zu gehen. Allerdings war die Warteschlange so lang, dass wir entschieden, am Nachmittag noch mal wieder zu kommen. Laut Schild am Eingang sollte der Dom ja bis 17:00 Uhr geöffnet sein.

Blick auf Florenz

Blick auf Florenz

Also gingen wir weiter zur Kirche Santa Croce, wo sich die Grabmäler von Galilei, Michelangelo und vielen anderen befinden sollten. Da wir ja für 15 Euro pro Nase in den Dom wollten, entschieden wir, die Besichtigung von Santa Crose auszulassen. Einige Minuten später waren wir auch schon am Arno, von wo aus wir einen schönen Blick auf Ponte Vecchio, einer alten mit Schmuckläden bebauten Brücke, hatten.

Weiter ging es zum Piazzale Michelangelo, der auf einem Berg lag und eine tolle Aussicht versprach. Gefühlte sechs Stunden bei 45°C und 800 Stufen später konnten wir tatsächlich einen wunderschönen Ausblick auf Florenz genießen.

Unseren ursprünglichen Plan, an der Stadtmauer entlang zum Forte di Belvedere zu laufen, legten wir ad acta, als wir sahen, dass wir dazu erst von unserem Berg herunter und auf den nächsten hinauf hätten laufen müssen. Wir gingen also durch ein paar enge Gassen zurück an den Arno und dort entlang zum Ponte Vecchio, auf dem man alles bekam, was glitzerte und glänzte und wo man das Geld für mehrere Kleinwagen hätte ausgeben können.

Ponte Vecchio

Ponte Vecchio

Danach liefen wir am Palazzo Vecchio vorbei und zurück zum Dom. Als wir um 16:04 Uhr auf dem Domplatz ankamen, war der erste Gedanke: „Alles richtig gemacht!“ als wir sahen, dass keine Schlange mehr am Eingang stand. Als wir sahen, dass es keine Schlange mehr gab, weil das Eingangstor bereits geschlossen war, machte sich ein bisschen Verwirrung breit. Wieder am Eingang angekommen, schauten wir uns das Schild noch mal genauer an. Der Dom hat normalerweise immer bis 17:00 Uhr geöffnet, außer donnerstags. Dann nämlich nur bis 16:00 Uhr. Dann kurz nachgedacht. Ja, heute ist Donnerstag. Ja, wir waren vier Minuten zu spät. Mist!

Da wir nun unverhofft noch viel Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten, gingen wir ein Käffchen trinken und noch ein bisschen durch die Straßen. Anschließdend gingen wir dann Abendbrot essen, wo ich auch endlich die Pizza bekommen sollte, auf die ich mich schon mehrere Wochen gefreut hatte. Auf der Suche nach einer schönen und passenden Lokalität rannten wir blind durch die Innenstadt, ohne zu wissen, wo wir waren. Ich bekam zwar nicht die erhofften karierten Tischdecken, dafür aber eine Pizza und einen Italiener aus dem Bilderbuch am Nachbartisch – rundlich, Oberlippenbart und wild und laut redend, telefonierend, gestikulierend und singend.

Piazza della Repubblica

Piazza della Repubblica

Nach dem Essen irrten wir noch etwas durch die Stadt, am Dom und der Piazza della Repubblica vorbei, wo eine Band spielte und einige Leute tanzten. Auf einer Straße saßen ein Mann und eine Frau, die wunderschöne Bilder mit Kreide auf den Boden malten.

Wieder zurück am Hauptbahnhof holten wir unser Gepäck, schrieben die Postkarten zu Ende und warteten auf unseren Zug. Das Gleis, von dem wir abfuhren, wurde ca. 15 Minuten vor Abfahrt bekannt gegeben. Obwohl der Zug laut Abfahrtstafel nach Wien fahren sollte, kamen wir heute Morgen nach einigem Hin- und Hergekupple in München an.

Dort gingen wir erstmal dekadent für 21 Euro duschen, frühstücken und fuhren dann los Richtung Hamburg.

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