Tag 6: Von Japanern und Archäologen

8. Juni 2011. 22:01 Uhr. Im Hotel Studio, Veliko Tarnovo, Bulgarien.

Nachdem uns ca. sechs Angestellte der bulgarischen Bahn gesagt haben, dass wir in Gorna Orjahovica den Zug wechseln müssen und nicht nur den Wagon wie der Typ von der Bahnagentur in Deutschland meinte, glaubten wir das mal und stiegen in Gorna Orjahovica aus. Das war etwa um 17:50 Uhr. Der nächste Zug ins ca. zehn Kilometer entfernte Veliko Tarnovo sollte laut Fahrplan um 20:05 Uhr und laut der Tante hinterm Schalter um 20:55 Uhr gehen. Das war uns dann doch ein bisschen zu lange.

Lichtshow

Lichtshow

Vom „Bahnhofsvorplatz“ aus sollte es einen Bus geben, der eine Viertelstunde später fahren sollte. Der Fahrer nannte uns dann als Preis 15 Leva (7,50 Euro) pro Person. Im ersten Moment hielten wir dies für einen angemessenen Preis. Als uns der nächste Taxifahrer die Fahrt für 15 Leva insgesamt anbot, dachten wir: „Geil, der Busfahrer wollte uns rollen, aber wir waren schlauer.“ Also sagten wir dem Taxifahrer zu, dass wir den vereinbarten Preis akzeptieren würden. Tja, es stellte sich dann heraus, dass ein Kilometer im Taxi regulär 0,79 Leva kostete. Mal zehn Kilometer nach Veliko Tarnovo macht das 7,90 Leva insgesamt…Mist, da haben wir uns doch rollen lassen. Aber wenigstens nicht so doll. Wir haben uns die 15 Leva dann mit einem Japaner geteilt, der auch nach Veliko Tarnovo wollte und so war der Preis doch noch erschwinglich. Und was lernen wir daraus? Wenn der Fahrer das Taxameter nicht anschaltet, bezahlt man mehr als Normalpreis und Anschnallen ist auch in Bulgarien völlig überbewertet, auch wenn sich der Japaner in den Kurven etwas ängstlich in seinen Sitz krallte.

Als wir ihn fragten, ob er auf seiner Europa-Rundreise auch in Deutschland war, meinte er nur: „All Japanese go to Germany.“

Wasserhahn

Wasserhahn

Unser Hotel ist sehr modern eingerichtet (Der Wasserhahn ist so modern, dass wir erst nicht wussten, wie er funktionieren soll) und die vier Euro mehr für ein Zimmer mit Blick auf die Burg Tsarevez haben sich gelohnt. Denn so konnten wir am Abend die beeindruckende Lichtshow vom Sessel im Hotelzimmer aus bewundern. Auch wenn Denis der Dame an der Rezeption erst nicht glauben wollte, die uns beim Check-In erzählt hat, dass heute eine Lichtshow sein sollte. „Die machen das doch nicht mitten in der Woche außerhalb der Saison, wenn kein Tourist hier ist.“ Doch!

Vorher sind wir ein bisschen in Veliko Tarnovo spazieren gegangen. Eigentlich wollten wir zum Bahnhof, um zu schauen, wie wir dorthin gehen müssen, aber der war eindeutig viel weiter entfernt als es der Google Maps-Ausdruck vermuten ließ. Also gingen wir relativ schnell wieder auf den Hügel, auf dem auch unser Hotel lag und sahen uns ein bisschen um.

Abendbrot gegessen haben wir in einem kleinen Restaurant für 25 Leva (12,50 Euro), weil sich die Kellnerin um 10 Leva beim Wechselgeld verrechnet hat. Dadurch konnten wir uns noch ein Bier und ein Mixgetränk leisten, das wir auf einem Platz vor der Burg einnahmen. Dort lernten wir dann Viktor kennen. Viktor war laut eigenen Angaben Archäologe und zeigte uns ein paar sehr alte Münzen. („Das ist meine Arbeit.“) Er bekundete dann gleich sein Interesse an „Europäischen Münzen – Euros“ und war sehr enttäuscht, dass wir keine Euros zum Tauschen dabei hatten und auch nicht interessiert waren, Leva zu tauschen. Er bot uns dann noch an, uns morgen mit seinem Lada zum Bahnhof zu bringen, was wir allerdings auch dankend ablehnten. So zog er mit seinen drei Kollegen und seinem Lada von dannen.

Blick auf Veliko Tarnovo

Blick auf Veliko Tarnovo

So seltsam dieser Typ auch war, hat er uns trotzdem eine nicht ganz unwichtige Information gegeben: Am Bahnhof von Veliko Tarnovo wird gebaut, weswegen viele Züge umgeleitet werden – natürlich auch unserer. Wo wir jetzt genau ein- oder umsteigen müssen, wissen wir noch nicht ganz genau. Denis ist allerdings gerade dabei, sich online schlau zu machen und wir wollen morgen frühzeitig am Bahnhof sein, damit wir noch rechtzeitig zu unserem Zug kommen, falls es Fahrplanänderungen gibt. Das erklärt nun auch, warum in Gorna Orjahovica Fahrplan und Realität nicht zusammengepasst haben und warum die Kurswagen von Bukarest nach Istanbul nicht bis Veliko Tarnovo fuhren. Eigentlich wollten wir in diese morgen einsteigen. Es bleibt spannend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.