Tag 7: Ein paar Überraschungen und Ketchup

2. Juli 2014. Cienfuegos, Zentralkuba – Trinidad, Zentralkuba. 140 Kilometer.

Cienfuegos - Trinidad. 140 Kilometer.

Cienfuegos – Trinidad. 140 Kilometer.

Unser Frühstück entsprach heute nicht ganz dem Plan. Wir hatten zwar Kaffee, Eier und Butter, aber keine Marmelade. Dafür aber Käse, einmal ganz was ausgefallenes. Hoffentlich bekommen die Betreiber des Casas keinen Ärger mit dem Tourismusministerium, weil sie aus der Reihe getanzt sind.

Unsere frühen Versuche, einen Strand zum Baden zu finden scheiterten daran, dass wir keinen Strand fanden, der sowohl schön war als auch einen bewachten Parkplatz hatte. Also wollten wir zu unserem nächsten Ziel aufbrechen: Trinidad. Da dieses aber keine siebzig Kilometer entfernt lag, hatten wir ein paar Unterwegsziele auf dem Plan.

Das erste hieß „Jardin Botanico“, Botanischer Garten. Dieser war jetzt nicht direkt ein Garten im engeren Sinne, sondern eher ein Wald, aber dennoch sehr schön anzuschauen. Es gab keinen befestigten und festgeschriebenen Weg, dafür aber eine Menge Palmen, Bambus und anderes Grünzeug zu sehen. Da das Gelände ziemlich groß war, hätte man meinen können, wir wären mitten in der freien Natur unterwegs, wenn da nicht die beiden Kinder gewesen wären, die uns verfolgt haben. Sie trugen Schuluniformen und ein Klemmbrett bei sich, sodass es aussah als wären es Schüler, die an einem Biologie-Projekt arbeiteten. Komischerweise führte deren Projekt immer genau dort entlang, wo wir gerade langgingen.

Wir lernten am Parkplatz noch einen alten Mann kennen, der uns zeigte, in welche Richtung wir am besten gehen sollten, unser Auto ein bisschen wusch und uns einen Tipp mit auf den Weg gab: Wenn man auf Kuba ist, sollte man wenigstens ein bisschen Spanisch sprechen, denn die Kubaner reden ununterbrochen. Mit jedem. Über alles. Na ja. Bis jetzt wollten mit uns immer nur alle über eine bestimmte Bar oder Zigarren reden. Aber es stimmt: Falls ihr mal nach Kuba reist, absolviert vorher unbedingt einen Spanisch-Smalltalk-Kurs. Und fangt damit nicht erst vier Wochen vor der Reise an. Wirtschaftsspanisch von der Uni bringt euch im Übrigen nicht weiter.

07 Cienfuegos - Trinidad (26)

Straßenbau

Unser nächstes Ziel hieß „El Nicho“ und war ein Park mit einem Wasserfall. Dieser lag etwas entfernt von Cienfuegos abseits der Hauptstraße im Gebirge, was uns aber nicht weiter abschreckte. Wir hatten ja unseren 50 PS starken Kita Picanto, dem kein Berg etwas anhaben konnte. So bogen wir also rechtzeitig von der Hauptstraße ab und fuhren immer weiter den Berg hinauf. Nach einiger Zeit wurden die Orte immer kleiner und immer weniger, die Straße schmaler und unebener, die Menschen weniger und die Natur immer mehr. Und dann war er plötzlich zu sehen: der LKW, der die Straße blockierte. Mist! Hier waren Bauarbeiten im Gange und ein Vorbeikommen gab es definitiv nicht.

Wenn die Fahrt bergauf mit den maximal dreißig Stundenkilometern schwierig war, dann war das Wenden auf der Straße, die kaum breiter war als unser Auto, ein Kraftakt. Es hat ein bisschen gedauert, aber wir haben es geschafft und mussten nicht den ganzen Weg rückwärts zurück fahren. Auf dem Weg zurück Richtung Hauptstraße fanden wir noch eine Querverbindung, die wohl ebenfalls zu el Nicho führte, die wir unserem weißen Kugelblitz aber nicht antun konnten. Es handelte sich um eine Lehmstraße mit den besten Schlaglöchern, die Kuba zu bieten hat. Darin wäre unser Auto wohl vollständig verschwunden.

Blick auf die Topes de Collantes

Blick auf die Topes de Collantes

Also wollten wir nun direkt nach Trinidad fahren. Wir hatten aber keine Lust zurück nach Cienfuegos und von dort an der Küste entlang zu fahren, sondern entschieden uns für den mehr Ausblick versprechenden Weg durch die Berge. Diese Entscheidung sollten wir nicht bereuen. Anfangs war der Weg relativ unspektakulär. Wir fuhren durch eine ansehnliche Gegend mit vielen kleineren Orten und sehr viel Grün. Irgendwann, so richtig hat man den Übergang gar nicht gemerkt, ging es dann immer weiter bergaufwärts. Wie weit oben wir uns befanden, bemerkten wir erst als wir plötzlich einen phänomenalen Ausblick auf das Tal hatten.

Wir waren nun, ohne es bemerkt oder geplant zu haben, in den Topes de Collantes angekommen. Das ist ein Gebiet, das auf etwa 800 Meter Höhe liegt und vom Regenwald bewachsen ist. Es soll dort wohl auch Tourismus geben. Davon haben wir aber bis auf wenige Restaurants nichts mitbekommen.

Wir fuhren jedenfalls immer noch weiter den Berg hinauf. Mittlerweile waren wir die einzigen Menschen auf der Straße, die immer schlechter und unebener wurde und immer größere Schlaglöcher bekam. Mehrere Kilometer legten wir letztendlich auf einer komplett unbefestigten Straße zurück. Aber das war toll. Wir fuhren immer weiter weg von allen anderen Menschen und Städten, hatten nichts als Ruhe und Natur um uns herum und hin und wieder einen geilen Blick auf die Gegend. Ein Traum.

Leider sind aber alle Träume und Berge einmal vorbei und so führte unser Weg nun mehr oder weniger direkt zurück ins Tal. Die Fahrt war nun atemberaubend. Einerseits aufgrund des Blickes ins Tal, wo man mittlerweile das Meer sehen konnte. Andererseits, weil es keine Leitplanken oder andere Straßenbegrenzungen gab und der Straßenbelag immer welliger wurde. Und als die Anspannung gerade am größten war … Spannungspause … , stand eine Ziege auf der Straße. Mäh.

Im Tal und in Trinidad angekommen, fuhren wir zu unserem Casa und wollten nach der langen Fahrt erst mal ein bisschen Mittagsschlaf machen. Dieser Plan verzögerte sich etwas, da wir einen ungebetenen Gast hatten. Er war giftgrün, saß auf der Wand und wie aus dem Nichts dort erschienen: ein Gecko. In der Natur und im Garten sehr gern gesehen und beobachtet, aber auf dem Zimmer mussten wir ihn nun wirklich nicht haben. Wir unternahmen einige Versuche, das Ding loszuwerden, scheuchten es aber nur von einer Ecke in die andere. Sogar als wir ihn mit getragenen Socken beworfen haben, hat er sich nicht aus dem Staub gemacht. Ein netter Angestellter unseres Casas kam uns dann mit einem Besen zur Hilfe und rettete uns.

Oldtimer neben einem Restaurant

Oldtimer neben einem Restaurant

Nach dem verdienten Mittagsschlaf machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Trinidad ist wahrscheinlich die schönste Stadt auf unserer Reise und nicht zu Unrecht ein Weltkulturerbe der UNESCO. Die Innenstadt besteht aus Kolonialbauten und einstöckigen Wohnhäusern und ist in allen Regenbogenfarben gestaltet. Jedes Haus hat eine andere Farbe, die Straßen sind gepflastert und verkehrsberuhigt. Es ist eine unheimlich toll anzusehende Stadt mit einer sehr angenehmen und entspannten Atmosphäre.

Die Innenstadt ist gepickt mit Restaurants und Kunstläden, die Gemälde, selbst hergestellte Kleidung und andere Kleinigkeiten – natürlich für die Touristen – verkauften. In der untergehenden Abendsonne kann man es hier sehr gut aushalten. Es machte Spaß, durch die Gassen zu schlendern und die ganzen Menschen auf der Straße zu sehen. Da die Wohnungen der Kubaner nämlich meist sehr klein und von mehreren Generationen bewohnt sind, spielt sich fast das gesamte Leben auf der Straße ab.

Wir kehrten in ein Restaurant ein und nahmen gleich wahr, dass wir uns in der gehobenen Kategorie befinden mussten. Die Stühle hatten nämlich Sitzpolster. Bisher sind alle kubanischen Sitzgelegenheiten dadurch aufgefallen, dass sie echt unbequem waren. Die Stühle sind entweder aus Holz und mit Tierhäuten bezogen oder schmiedeeisern. Sehr selten gibt es allerdings auch Schaukelstühle mit Sitzfläche, die aus Wäscheleinen gespannt sind.

Unser Restaurant war jedenfalls etwas gehobener und hatte deswegen auch mehr als ein Gericht im Angebot. Wir bekamen sogar eine Speisekarte, auf der auch internationale Spezialitäten wie Spagetti oder Pizza standen. Wir wählten also und wenig später, nachdem sich der Koch noch mit einem Bier versorgt hatte, ging es auch schon los.

  • Der erste Gang bestand aus süßem gegrilltem Brot. Dazu wurde ein Teller Mayonnaise gereicht, der mit etwas Ketchup garniert war.
  • Der zweite Gang war ein Salat wie es ihn in allen kubanischen Restaurants gibt: Weißkohl, grüner Salat, Gurke, Tomate und Bohnen aus dem Glas.
  • Zum dritten Gang bekam Denis seinen Hummercocktail, der aus Hummer und Remoulade bestand und mit Ketchup garniert war. Meinen bestellten Shrimpcocktail hat man nie gesehen.
  • Der vierte Gang war eine Maissuppe, die aufs Haus ging und mit Ketchup garniert war.
  • Der fünfte Gang, das Hauptgericht, war dann unsere eigentliche Bestellung: Denis hatte Hühnchen mit Käses und Schinken bestellt und bekam ein Geflügel-Cordon Bleu mit Ketchup. Ich hatte Hähnchen mit Currysauce bestellt und bekam Hähnchen, das mit Curry mariniert war, aber sehr gut schmeckte. Serviert wurde alles auf Tellern mit einem in das Porzellan eingearbeiteten Real Madrid-Logo. Nobel, nobel.
  • Zum Abschluss gab es einen Obstsalat ohne Ketchup und die Rechnung. Für den ganzen Spaß inklusive Getränken haben wir 34 CUC; also um und bei 27 Euro bezahlt. Kein schlechter Preis.

Da wir überlegt haben, morgen mit einem Touristenzug ins Valle de los Igenios zu fahren, aber nirgendwo Abfahrtszeiten fanden, wollten wir noch kurz am Bahnhof vorbei schauen. Dieser bestand allerdings nur aus einem Gleis mit Bahnsteig und einem kleinen Häuschen. Leider ward nirgendwo ein Fahrplan gesehen, weshalb wir wohl das Auto nehmen werden. Das Internet fällt auf Kuba nämlich komplett als Informationsquelle aus. Bisher haben wir noch keine Möglichkeit gesehen, ins Netz zu gelangen. Und der Typ, der in unserem Casa arbeitet, versteht uns nicht genug, um uns die Frage nach den Abfahrtszeiten zu beantworten.

Auf einem Abstellgleis sahen wir noch den Touristenzug mit seiner Dampflok stehen. Und um das Bild der Idylle zu komplettieren, standen daneben zwei Pferde und grasten im Sonnenuntergang. Romantisch.

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