Tag 7: Gegenteiltag in Paris

2. November 2012. Um und bei 20:00 Uhr. Wagon 107 im Nachtzug nach Hamburg. Paris Est, Frankreich.

Der Wecker klingelte heute Morgen um 4:50 Uhr, denn um 6:30 Uhr ging ja der Flug nach Paris. Das war zwar viel zu früh, aber gebucht ist gebucht. So waren wir gegen 8:00 Uhr in Paris und gingen erst mal gemütlich am Flughafen frühstücken.

Für sieben Euro pro Person kamen wir mit dem Bus in die Innenstadt und für weitere 8,55 Euro bekamen wir eine Tageskarte für den ÖPNV. Als wir unser Gepäck am Bahnhof Paris Est eingeschlossen hatten, war es schon 10:30 Uhr. Der Nachtzug sollte irgendwann gegen 20:00 Uhr losfahren. Also hatten wir wohl mehr als genug Zeit, denn wir hatten in diesem Jahr ja schließlich schon Bangkok in zwei Stunden geschafft.

Notre Dame von hinten

Notre Dame von hinten

Zuerst fuhren wir auf die Île de la Cité zur Notre-Dame. Von vorn bis auf die 100-Meter-Schlage und das Rosettenfenster keine Kirche, die uns von den Socken haute. Vielleicht lag das daran, dass vor dem Eingang eine Tribüne stand, die die Sicht ein bisschen behinderte, und dass das Wetter sehr grau und ungemütlich war. Der hintere Teil der Kirche war dann schon etwas beeindruckender – reich verziert, große runde Fenster, riesiges Strebewerk und auch sonst eine Menge Tüdelü.

Dann liefen wir ein bisschen durch die Gegend, über die Seine zurück auf das Festland und in Richtung Centre Pompidou. Auf dem Weg stellten wir fest, dass sich irgendjemand einen Spaß daraus gemacht haben muss, die Wegweiser zu Touristenpunkten zu verdrehen. Diese zeigten nämlich fast alle genau in die entgegengesetzte Richtungt. Gegenteiltag in Paris. Der Typ saß bestimmt irgendwo in der Nähe im Gebüsch und lachte sich über die Touristen tot, die am ganz anderen Ende von Paris ankommen und nie den Eiffelturm zu Gesicht bekommen würden.

Centre Pompidou

Centre Pompidou

Wir kamen erst zum Hôtel de Ville, dem Rathaus, und schließlich zum Centre Pompidou, das ich noch aus dem Französischbuch kannte. Schon von Weitem sah man das Museum für Moderne Kunst, das von der Architektur mal so gar nicht in diese schöne alte Stadt passt. Es ist ein eckiger Klotz mit bunten Rohren und Fußgängertunnel, die außen am Gebäude angebracht sind und an U-Bahnen erinnern.

Nebenan war der Springbrunnen mit den – ich nenne sie mal – „Skulpturen“, an denen die Kinder aus meinem Französischbuch saßen. Der Springbrunnen war seh flach und die Skulpturen sehr bunt und sehr abstrakt. Zu einem Museum für Moderne Kunst passt das wohl auch ganz gut.

Wir gingen dann weiter zum Châtelet-Les-Halles, einem unterirdischen Einkaufszentrum mit integriertem Knotenpunkt des Pariser ÖPNV-Netzes. Letzteren haben wir nicht gesehen, wir waren nur fasziniert davon, dass es immer weiter nach unten ging, wo etwa 99 Prozent aller Kaufhäuser eher in die Höhe gebaut werden. Aber warum nicht? So spart man überirdisch viel Platz, den man in Paris sicher auch anders nutzen kann. Wofür dieser Platz genutzt wird, war leider nicht zu sehen, denn es wurde kräftig gebaut.

Louvre

Louvre

Und weil es praktisch auf dem Weg lag, gingen wir gleich weiter zum Louvre, den wir über den Hintereingang erreichten, wo wir schon die lange Schlange sahen, die sich wahrscheinlich – man konnte es ja noch nicht sehen – vor dem Eingang gebildet hatte. Diese war mindestens 500 Meter lang, die Wartezeit betrug sicherlich nicht weniger als drei Stunden. Viel Spaß. Wir hatten ja nicht so viel Zeit und gingen an der Schlange vorbei durch den Hinterhof zum Haupteingang mit den Glaspyramiden.

Hier konnten wir zum ersten Mal die Geradlinigkeit sehen, mit der diese Stadt geplant worden ist. Klar, Paris ist ja schon immer die Stadt der Könige und der Regierungssitz Frankreichs und wurde schon immer für repräsentative Zwecke genutzt. Genauso ist diese Stadt, zumindest im Zentrum, angelegt. Von der Hauptpyramide des Louvre bis zum Triumphbogen zieht sich eine gerade Linie von etwa anderthalb Kilometern. Über den Jardin des Tuileries, den Place de la Concorde und die Champs Élysées kann man vom Louvre aus direkt auf den Arc de Triomphe schauen. Schon beeindruckend.

Triumphbogen in weiter Ferne

Triumphbogen in weiter Ferne

Also machten wir uns auf den Weg Richtung Triumphbogen und mussten feststellen, dass dieser doch etwas weiter entfernt war als gedacht. Wir haben ihn ja schon von weitem gesehen, bis wir ihm näher kamen, dauerte es aber eine ganze Weile.

Erst liefen wir durch den Jardin des Tuileries mit den beiden Springbrunnen. Das ist ein kleiner Park mit einigen Sitzbänken und Liegestühlen an den Spreingbrunnen, der bei schönem Wetter bestimmt ein toller Platz ist, um die Füße zu auszuruhen. Dann ging es weiter über den Place de la Concorde, der eigentlich nur ein großer eiförmiger Platz mit einer breiten Straße ohne Markierung und einem Basilisken in der Mitte ist. Anschließen kamen wir dann endlich auf die Champs Élysées, die Straße, die zum Triumphbogen führt.

Nach gefühlten zwei Stunden mussten wir uns erst mal stärken. Anschließend wollten wir nur kurz auf die Toilette und dann sollte es weiter gehen. Aber da wir ja in Paris waren, war das mit der Toilette ein bisschen anders als in anderen Städten. Wir fanden eine öffentliche Toilette, die zwei Euro pro Person kostete. Dafür bekam man aber eine Toilette, die nach jedem Gast frisch geputzt wurde und sich in einer kleinen Anlage befand, die von Designern eingerichtet worden war. Meine Toilettenabteil war komplett mit einer Tapete beklebt, die nur Bücher im Regal zeigte. So hatte ich ein bisschen das Gefühl, ich würde in eine Bibliothek pullern. Zu der Toilettenanlage gehörte auch ein etwas höherpreisiges Toilettenzubehörfachgeschäft. Eine ganze Wand dieses Ladens war von einem Regal mit Toilettenpapier in allen Regenbogenfarben vollgestellt.

Arc de Triomphe

Arc de Triomphe

Nach weiteren gefühlten zwei Stunden Fußmarsch erreichten wir auch endlich den Triumphbogen. Erst schauten wir ihn uns von der anderen Straßenseite aus an, liefen dann aber durch den Tunnel unter der Straße direkt zum Bogen. Dieser war riesig groß, weswegen er wohl schon vom Louvre aus so gut zu sehen war, an allen Ecken verziert und mit Namen von französischen Soldaten beschrieben, sortiert nach dem Krieg, in dem sie gefallen sind.

Außerdem waren wir am Grab des Unbekannten Soldaten und beeindruckt darüber, was für einen tollen Blick in alle Himmelsrichtungen man von hier aus hatte. Kaum vorzustellen, wie es bei schönem Wetter ohne Nebel gewesen wäre. Nachdem wir Schlange und Preis gesehen hatten, entschieden wir uns dafür, weiter zu ziehen und nicht auf den Triumphbogen zu steigen.

Da die Füße nun langsam lahm wurden, fuhren wir mit der Metro zum Eiffelturm, der schon beim Landen auf dem Flughafen Orly, bei der Fahrt in die Stadt und später auch auf dem Weg zum Arc de Triumph gesehen worden ist. Aber man muss ihn natürlich auch mal aus der Nähe gesehen haben, wenn man schon in Paris war.

Eiffelturm

Eiffelturm

Von der Treppe am Jardins du Trocadéro, über die Pont d’Iena, den Eiffelturm und den Champ de Mars bis hin zur Militärschule und darüber hinaus zeigte sich einmal mehr der Sinn für die Geradlinigkeit der Architekten Paris‘.

Wir liefen unter dem Eiffelturm durch, wo gerade eine neue erste Etage gebaut wurde und eine Touristenschlange stand, an der man sicher wieder mindestens eine Stunde angestanden hätte. Schade, aber das war wohl schon abzusehen. So fuhren wir nicht nach oben und mussten uns nicht über den Nebel und die Kälte ärgern.

Hinter dem Turm, auf dem Champ de Mars, waren die 140 Plastebären ausgestellt, die ursprünglich mal in Berlin standen und jeweils eins der von der UN anerkannten Länder der Welt symbolisieren. Wir schauten uns diese gerade an und wollten eigentlich weiter zu Militärschule laufen, wurden aber von einem Regenschauer überrascht und mussten die Besichtigung abbrechen. Wir stellten uns beim nächsten Kiosk unter und liefen schließlich durch den Regen zurück zur Metro, weil es einfach nicht besser wurde und wir natürlich keinen Regenschirm dabei hatten.

Wir fuhren also mit der Metro zum Invalidendom und anschließend ein bisschen mit dem Bus durch die Stadt, um Paris noch einmal aus ein paar anderen Blickwinkeln zu sehen.

Eigentlich wollten wir vom Bahnhof Paris Est aus mit dem Bus zum Stadion von Paris St. Germain fahren. Wir wollten eigentlich nur herausfinden, wann genau unser Zug nach Hamburg los fährt, damit wir wussten, wann wir wieder am Bahnhof sein müssten. Unser Ticket, auf dem die Uhrzeit stand, war natürlich mit unserem Gepäck eingeschlossen. Die Anzeigetafel zeigte leider nur die Abfahrten der nächsten halben Stunde an, Tickets für den City Night Line konnte man am Ticketautomaten nicht lösen, weshalb dieser auch keine Abfahrtszeiten für unsere Bahn anzeigte und die Schlangen an den Informationsschaltern waren zu lang. Und so kam es, dass wir so lange brauchten, herauszufinden, wann der Zug nun genau los fuhr, dass wir keine Zeit mehr hatten, zum Stadion zu fahren. Blöd gelaufen. Aber so hatten wir wenigstens Zeit, ganz in Ruhe auf dem Bahnhof Abendbrot zu essen.

CNL 50451

CNL 50451

Wir holten unser Gepäck, fanden dann heraus, wann der Zug genau abfahren sollte und dank unserer offenen Augen waren wir auch die ersten am Zug. Dieser war nämlich auf der Anzeigetafel noch nicht angeschlagen, stand aber schon offen auf dem Abfahrgleis bereit. So konnten wir die Familie aus Braunschweig begrüßen, mit der wir unser Abteil teilten. Als wir dachten, unser Sechserabteil wäre mit uns beiden und der vierköpfigen Familie voll, kam noch ein sehr kontakt- und redefreudiger junger Mann dazu. Da eines der Kinder der Familie noch sehr klein ist, hat diese wohl nur drei Betten gebucht. Na dann kann ja heute Nacht kuschlig werden. Wir haben zum Glück die beiden oberen Betten.

Abschließende Worte zu Paris: wunderschön, unbedingt hinfahren, am besten, wenn es nicht regnet, unbedingt mehr ans einen Tag einplanen. Denn Paris an einem Tag schaffen nicht mal zwei erfahrene Urlauber, die Bangkok in zwei Stunden geschafft haben. Allein für das Anstehen an den verschiedenen Sehenswürdigkeiten braucht man jeweils einen halben Tag.

Abschließende Worte zu Südfrankreich: wunderschön, unbedingt hinfahren, abseits der Städte auf dem Land ein Traum, tolle Landschaft, im Dunkeln nicht auf die Berge fahren, sonst sind die Côte d’Azur und die Provence nur zu empfehlen.

[Wir sind am nächsten Morgen pünktlich in Hamburg angekommen, haben auf dem Hauptbahnhof gefrühstückt und anschließend den nächsten IC nach Rostock genommen. Dort sahen wir einen 2:0-Heimsieg des FCH über Saarbrücken und fielen abends doch etwas übermüdet ins Bett.]

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