Tag 8: Hoi An mit dem Fahrrad, dem Boot und zu Fuß

23. Juni 2012. 22:16 Uhr. Zimmer 107, Cua Dai Hotel. Hoi An, Vietnam.

Frühlingsrollen

Frühlingsrollen

Unser Kochkurs gestern Abend war super. Wir haben zusammen mit Vicky und Rick Hähnchensuppe, Frühlingsrollen, Grünen Papayasalat und Fisch in Bananenblättern gekocht und es war alles sehr lecker. Scott hat am Tisch nebenan gesessen und das Essen von echten Köchen gegessen. Feigling.

Wir haben einen super Einblick in die vietnamesische Küche erhalten und allerlei Gewürze, Zutaten und Zubereitungsweisen gelernt. Wir wissen jetzt wie man aus festem Reispapier Frühlingsrollen zubereitet und diese mit riesengroßen Stäbchen im Wok frittiert. Außerdem kann man eine tolle Suppe aus dem Saft kochen, den man aus dem Gemüse für die Frühlingsrollen presst. Und Fisch im Bananenblatt gart man am besten auf offener Flamme auf einem Gasherd. Zum Glück haben wir ein kleines Heft mit allen Rezepten zum Nachkochen bekommen. Dort findet man auch Alternativen, falls man gerade keine Grüne Papaya zur Hand hat oder die Bananenblätter im Garten noch zu klein sind.

Heute Morgen brachen wir um 9:30 Uhr zu unserer Fahrradtour auf. Zum Glück hatte sich der Fahrradverleiher direkt gegenüber unseres Hotels niedergelassen, sodass wir keinen weiten Weg hatten. Eigentlich hatten wir gar keinen Weg. Die Fahrräder sahen alle ganz gut aus. Alle hatten zwei Räder und zwei Bremsen und einige (z.B. meins) als Zugabe noch einen Sattel, der sich von selbst bewegt.

Kuh auf dem Feld

Kuh auf dem Feld

Nachdem jeder ein Rad in der richtigen Höhe gefunden hatte, konnte es also los gehen. Unsere Tour wurde geführt von Tuan und dem Fahrradverleiher selbst. Wir fuhren durch viele kleine, enge Wege an Dörfern, einzelnen Häusern, Reis- und Wasserkokosfeldern vorbei. Da wir alle die gleichen Fahrräder ohne Gangschaltung hatten, stellte sich ein sehr angenehmes Tempo ein, sodass man wunderbar die tolle Gegend genießen konnte. Damit es nicht so anstrengend wurde, legten wir ein paar Pausen ein, die bei dem rasanten Tempo auch angebracht waren. Leider fehlte in den Pausen immer der Fahrtwind, der die Tour so angenehm gemacht hat.

Wir hatten mal wieder einen wunderbaren Einblick in das echte Leben von Vietnam, abseits der Städte und Touristenorte. Es zeigte sich mal wieder, in was für einem wunderschönen Land wir uns befinden. Überall ist es grün, es wachsen alle Arten von Pflanzen und der nächste Fluss oder See ist nie weit. Die Menschen sind aufgeschlossen und grüßen jeden, der vorbei kommt. Vor allem die Kinder sind angetan, viele winken und rufen „Hello!“, einige grinsen auch nur schüchtern.

Boote

Boote

Die Häuser und Boote, an denen wir vorbei gefahren sind, waren alle bunt bemalt. In die Häuser konnte man meist direkt hinein schauen. Fast alle hatten einen großen Hauptraum mit einem kleinen Tisch, ein paar Matten und Bildern von Verwandten oder Ho Chi Minh. Autos haben wir so gut wie keine gesehen.

Nach etwa anderthalb Stunden kamen wir zum Bootsanleger, denn die Fahrradtour sollte auch einen Teil auf dem Wasser beinhalten. Unser Fahrradverleiher hatte einen Kumpel mit Boot, den er nun anrief. Die Fahrräder wurden fachmännisch auf diesem (also dem Boot, nicht dem Kumpel) befestigt und schon konnte es weiter gehen. Es war auf dem Wasser ähnlich idyllisch wie an Land, nur leider nicht so ruhig, da der Bootsmotor ein bisschen für Stimmung sorgte.

Wir hielten nach einiger Zeit an einer kleinen Insel, auf der es Mittag geben sollte. Die Holzbänke und -stühle, die die Ausstattung des Bootes darstellten, wurden zusammen mit ein paar Plastiktischen von Bord gebracht und im Schatten aufgestellt. Der Fahrradverleiher und sein Kumpel der Käpt’n waren für das Grillen verantwortlich. Es gab Schwein, Geflügel, Shrimps und Fisch im Bananenblatt, wie wir es gestern gekocht hatten, dazu Obst und Gemüse. Sehr lecker.

Mittagessen

Mittagessen

Nach dem Mittag und einem kleinen Spaziergang auf der unbewohnten Insel fuhren wir zurück nach Hoi An, wo die Tour endete. Für 10.000 Dong (0,40 Euro) pro Person konnten wir die Fahrräder für den Rest des Tages ausleihen.

Nach einem kurzen Mittagsschläfchen wollten wir noch zum Strand fahren. Da wir aber morgen einen freien Tag und noch nichts vor haben, wollten wir Tickets für eine Bootsfahrt nach Cham Island buchen. Am Strand vorbei fuhren wir also zum Hafen von Hoi An. Auch wenn es auf der Karte nicht so weit entfernt aussah, kamen wir nach einer gefühlten Stunde an den Bootsanlegern und Ticketschaltern an. Letztere waren leider geschlossen, sodass wir unverrichteter Dinge zurück zum Strand radeln mussten.

Auf dem Weg kamen wir an vielen Großbaustellen für Hotels vorbei. Schade, sobald die fertig sind, wird Hoi An einiges an Charme verlieren. Einige fertiggestellte Resorts gibt es bereits. Diese sind durch hohe Zäune und große Tore von der Außenwelt abgeschnitten und haben alle einen eigens abgetrennten Teil Strand, sodass die Touristen bloß nicht mit den Einheimischen in Kontakt kommen können.

Kleiner Teil des Mopedparkplatzes

Kleiner Teil des Mopedparkplatzes

Wir fuhren deshalb lieber zum Strand, an dem die Einheimischen anzutreffen sind. Dort angekommen wollten wir erstmal unsere Fahrräder irgendwo abstellen. Dass das nicht so einfach ging, wurde uns schnell mitgeteilt. Es gab ja schließlich einen Parkplatz, auf dem schon mehr als 500 Mopeds standen und der auch einen Fahrradteil besaß. Auf den Sattel jedes Rades wurde mit Kreide eine Nummer geschrieben. Wir erhielten eine Wertmarke mit ebendieser Nummer, damit wir am Ende auch unsere Fahrräder wiederbekommen würden und nicht ganz andere.

Man rechne nun 500 Roller mal vier Personen und man kann sich etwa vorstellen, was auf den am stärksten bevölkerten hundert Metern Strand abging. Diese paar Meter Strand waren so stark bevölkert, dass man kaum treten konnte und danach war man fast allein. Es scheint für einen Vietnamesen absolut keine Option zu sein, ein paar Schritte weiter den Strand entlang zu gehen, um mehr als einen halben Meter Abstand zum nächsten Strandbesucher zu haben. Entsprechend war auch der Lärmpegel auf Menschengeschrei und überlauter Musik aus den großen Lautsprechern.

Strand auf Vietnamesisch

Strand auf Vietnamesisch

Ein bisschen abseits der Masse gab es ein paar Liegen für 20.000 Dong (0,80 Euro) pro Liege, auf denen wir uns niederließen. Dann schnell ins Wasser und die ganze Anstrengung vom Fahrradfahren abwaschen. Der Salzgehalt im Südchinesischen Meer war so hoch, dass man sich ohne Anstrengung an der Wasseroberfläche halten konnte. Als einige der wenigen Weißen am Strand wurden wir natürlich von allen Seiten beobachtet. Vor allem die Kinder fanden Gefallen an uns und grüßten uns mit einem fröhlichen „Hello!“.

Nach dem, was man hier wohl „Abkühlung“ nennt, legten wir uns auf unsere Liegen und konnten ein bisschen das Geschehen beobachten. Es war ein Traum. Ein wildes Durcheinander von Menschen, stets begleitet von Kinderschreien und immer fröhlich lächelnde Gesichter.

Später bekamen wir noch Besuch von zwei Geckos, die vollkommen unangekündigt aus unserem Palmensonnenschirm auf meine Beine geflogen kamen. Nach einem kurzen Mädchenschrei meinerseits waren die beiden aber auch sehr schnell wieder verschwunden. Die waren wohl mehr überrascht von mir als ich von ihnen.

Rush Hour am Strand

Rush Hour am Strand

Als wir wieder zum Hotel zurück gefahren sind, war Rush Hour, weil die Sonne gerade unterging. Daher hatten wir einen tollen Blick auf den Sonnenuntergang über den Reisfeldern. Außerdem lernten wir den Verkehr vom Fahrrad aus kennen. Und es ist eigentlich nicht anders als zu Fuß: einfach los fahren, Augen offen halten und nie zögern oder die Geschwindigkeit ändern. In dieser Situation haben wir auch gelernt, dass jemand, der bei Rot in der ersten Reihe an der Ampel steht, nicht unbedingt auch bei Grün als erstes los fährt, wenn er noch wichtige Gespräche mit jemandem am Straßenrand zu führen hat.

Zum Abendbrot waren wir zu Fuß in der Innenstadt und hatten Geflügel mit Lemongras und Chili und Geflügel mit Reisnudeln. Sehr lecker. Nur schade, dass das Essen hier aufgrund der Temperaturen immer so eine Schwerstarbeit ist, vor allem wenn es so dermaßen scharf gewürzt ist wie heute.

Hoi An bei Nacht

Hoi An bei Nacht

Auf dem Rückweg zum Hotel sind wir noch Zeugen eines vietnamesischen Straßenspiels geworden. Dabei bekommt der Spieler eine Maske aufgesetzt, durch die er nichts sehen kann. Er musst dann ein paar Schritte in Richtung einer Wand gehen, an der über vietnamesischer Kopfhöhe ein kleiner Tonkrug aufgehängt ist. Diesen muss der Spieler mithilfe eines Stockes mit einem Schlag zerschlagen. Das erste Problem ist, die richtige Richtung zu finden und weit genug zu gehen, um den Krug auch treffen zu können. Das zweite Problem ist, dass der Spieler weit ausholen muss, damit der Krug tatsächlich beim ersten Schlag kaputt geht. Es war lustig anzusehen, wie die meisten mit voller Wucht vorbei geschlagen haben und die ganze Zuschauermenge dabei abgegangen ist.

Hoi An am Abend ist echt schön, weil dann die ganzen Laternen vor den Häusern und an den Bäumen leuchten und die Straßen noch gut bevölkert sind.

Da schon die meisten Ticket Offices in der Altstadt geschlossen waren und die offenen uns nur ein Boot um 8:00 Uhr nach Cham Island anbieten konnten, was uns ein bisschen zu früh ist, haben wir nichts gebucht. Wir wollen morgen erst mal ausschlafen und dann sehen, was wir machen.

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