Tag 8: Von „Vamos a la Playa“ bis „Lady in Red“

3. Juli 2014. Trinidad, Zentralkuba. 0 Kilometer.

Leute, holt eure Geschichtsbücher raus und macht einen neuen Eintrag am 3. Juli 2014! Es ist nämlich etwas vollkommen Unerwartetes und Unvorhersehbares passiert: Ich habe gefroren. Auf Kuba. Im Juli. Ja, selbst ich hätte es nicht für möglich gehalten. Und nein, es lag nicht an einer Klimaanlage, sondern am Wetter. Dieses scheint nämlich das einzige zu sein, worauf man sich hier verlassen kann. Verrückte Welt, gerade das Wetter ist die zuverlässigste Komponente in einem Land, das über eine sozialistische Planwirtschaft verfügt.

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Frühstück!

Aber wir fangen am besten mal von vorn an. Das Frühstück wich heute stark vom Plan ab. Es gab nämlich neben den üblichen Bestandteilen Kaffee, Brot, Butter, Rührei und Obst gleich zwei Aufstriche: Käse und Marmelade. Ob das so genehmigt war?

Da unser Tagesziel heute Entspannung hieß, gingen wir nach dem Frühstück direkt wieder ins Bett. Gegen Mittag machten wir den einzigen Geschäftsgang des Tages und wechselten unsere letzten Euro. Anschließend ging es an den Strand. In der Nähe von Trinidad befindet sich nämlich die Halbinsel Ancon, auf der es öffentliche Badestrände mit bewachten Parkplätzen geben sollte. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Nach einer kurzen Autofahrt auf die Halbinsel fanden wir relativ schnell einen schönen Strand mit einem bewachten Parkplatz. Zum Preis von zwei CUC (1,50 Euro) konnten wir unbegrenzt lange parken und bekamen gleichzeitig noch unseren eigenen Sonnenschirm. Was wollten wir mehr?

08 Trinidad (12)

Strand

Unser weißer Kugelblitz war das zweite Auto auf dem Parkplatz und sollte auch das letzte bleiben. Entsprechend waren wir auch ziemlich allein auf unserem Strandabschnitt. Einige Palmschirme weiter saß noch ein Paar, dessen Auto schon in der Straße stand, in der wir in Trinidad wohnen.

Der Strand war relativ schmal, hatte aber den weißen Sand, den man vor dem inneren Auge sieht, wenn man an die Karibik denkt. Das Wasser war klar, türkis und angenehm warm. Die Sonne schien und braun werden sollten wir allem Anschein nach auch. Na ja, ich zumindest. Denis saß die ganze Zeit unter unserem Schirm und hatte keinerlei Absichten diesbezüglich. Ich hingegen habe mich vorbildlich mehrere Male mit Sonnenmilch eingecremt und ein bisschen in die Sonne gelegt.

Im Nachhinein stellt sich dies als riesengroßer Fehler heraus. Denn das bisschen Sonne, für das unsere Sonnencreme gemacht ist –Rügen, Spanien, Italien – ist ein kleiner Pups gegen die karibische Sonne, die hier vom Himmel knallt. Ich leuchte jetzt jedenfalls wie ein Ampelmännchen und möchte am liebsten in einer Badewanne voller Quark übernachten.

Unser Bad ist zwar mit einer Wanne ausgestattet, dennoch kommt dieses Vorhaben aus drei Gründen nicht infrage:

Unsere Wanne ist zwar wahrscheinlich vor unserer Ankunft geputzt worden, lädt aber trotzdem nicht zum längeren Verweilen ein. Sie hat wahrscheinlich schon ein paar Jahrzehnte erlebt und ist dementsprechend schon an der einen oder anderen Stelle etwas gesprungen und sieht dadurch nicht ganz sauber aus.

Außerdem kommt aus dem Gerät, das man hier Duschkopf nennt, nur Wasser in einer einzigen Temperatur: ganz schön warm. Dieses Gerät haben wir schon in verschiedenen Casas gesehen. Es sieht aus wie ein fester Duschkopf, ist aber neben einer Wasserleitung noch über ein Stromkabel mit der Wand verbunden. So wird das Wasser wahrscheinlich direkt dort drin erhitzt wird.

Da es auf Kuba sehr wenige Rinder gibt, gibt es hier auch nicht viele Milchprodukte, weshalb es schwierig bis unmöglich sein könnte, eine ganze Wanne mit Quark zu füllen. Milch für den Kaffee wird morgens immer aus Milchpulver und Wasser hergestellt. Das hat leider den unschönen Nebeneffekt, dass diese „Milch“ überhaupt nicht schmeckt und immer Fettaugen auf dem Kaffee schwimmen.

Denis hat sich während des gesamten Tages jedenfalls unter dem Sonnenschirm aufgehalten und war nur ein paar Minuten ungeschützt im Wasser. Aber selbst er ist ein wenig verbrannt, wenn auch nicht so stark wie ich. Die Sonne hier hat echt eine unglaubliche Intensität. Ich habe nämlich auch gestern schon ein bisschen Sonnenbrand am rechten Arm vom offenen Fenster auf der Beifahrerseite bekommen.

Am Strand hatten wir von dem Sonnenbrand noch nichts mitbekommen und haben uns die Zeit ganz entspannt vertrieben. Nebenbei konnten wir den Arbeitstag unseres Parkplatzwächters verfolgen. Neben dem Bewachen der beiden Autos auf dem Parkplatz standen nämlich noch einige andere Aufgaben auf dem Programm. Ein kleiner Verkaufsstand aus Wellblech musste aufgebaut werden und einige Sonnenschirme brauchten einen neuen Anstrich. Dazu waren zwischenzeitlich etwa acht bis zehn Männer und etwas Rum anwesend. Man soll sich in der Hitze des Tages ja auch nicht überanstrengen und immer genug trinken.

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Gewitter?

Und dann kam das, worauf man sich auf Kuba verlassen kann: das Wetter. Vom Festland aus zog es nämlich langsam zu. Während wir noch am Strand den schönsten Sonnenschein genossen, donnerte es hinter uns unüberhörbar. Auch wenn es auch nicht unbedingt jeden Tag auf Kuba regnet, am Nachmittag zieht es sich meist zu.

Wir packten also unsere sieben Sachen und machten uns auf dem Weg zurück nach Trinidad. Kurz nachdem wir in unserem Casa angekommen waren, ging es auch schon los. Ein heftiger, lang andauernder Platzregen, Donnergrollen lauter als ein Flugzeug beim Abheben und ein Wind, der so stark war, dass er allerhand Sachen von Bäumen holte. In unserem Garten waren das hauptsächlich Mangos vom Mangobaum. Das war nicht ganz ungefährlich, denn die Dinger fielen mit einem Affenzahn herunter, dass einem sicher das Licht ausgeht, wenn man davon getroffen wird. Aber so ist das Frühstück für morgen Früh schon mal gesichert.

Nach dem Weltuntergang gingen wir dann noch einmal in die Altstadt zum Abendbrotessen. Wir landeten erst in einer Bar, die zwar sehr nett aussah, aber leider keine Speisen im Angebot hatte. Wir wurden dann von jemandem, der dort gerade anwesend war (kein Mitarbeiter, sondern eher ein Freund oder so was), in ein angrenzendes Restaurant gebracht, das wir aufgrund einer Baustelle und deren Geräuschpegel dankend anlehnten.

Aber ein Kubaner ist kein Kubaner, wenn er nicht noch jemanden kennt, der einem helfen kann. Nach einem kurzen Spaziergang waren wir dann am nächsten Restaurant, das wir nie als solches erkannt hätten. Einerseits weil es keinerlei Hinweisschilder gab. Andererseits weil man durch eine langen Flur und eine Küche gehen musste, um auf die Terrasse zu kommen.

Diese war allerdings sehr schön. Man hatte einen netten Blick auf Trinidad und war umgeben von riesigen Bäumen und deren Gestrüpp. Nebenbei wurde poppige englische Musik aus den Achtzigerjahren gespielt. Als hätte Chris de Burgh es geahnt, sang er irgendwann die Hymne des Tages: „Lady in Red“, mit der ich mich aufgrund meiner neu gewonnen Hautfarbe sehr gut identifizieren konnte.

Und dann ist es passiert: ich habe gefroren. Denis fand das Wetter zwar sehr angenehm, weil die Sonne nicht so stark schien und ein laues Lüftchen blies. Ich fand es kalt, weil es auch kalt war. Keine Diskussion.

Wir haben dann nur kurz gegessen. Denis hatte Shrimps mit Honigmarinade, ich Geflügel mit Obst. Die Kellner waren damit etwas überfordert und mussten erst einmal herum telefonieren, um die benötigten Zutaten zu beschaffen. Mit so viel Kundschaft hatten sie wohl nicht gerechnet.

Aufgrund der winterlichen Temperaturen haben wir uns auch nicht lange aufgehalten, sondern sind nach dem Essen direkt wieder auf unser Zimmer gegangen. Jetzt friere ich nicht mehr, sondern warte darauf, dass es nicht mehr so stark an den Oberschenkeln brennt. Gute Nacht.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Wir versuchen schon seit geraumer Zeit (also eigentlich seit dem ersten Tag) einen Kugelschreiber aufzutreiben, da wir keinen dabei haben. Bisher ist uns das noch nicht gelungen, obwohl wir in jedem Laden und an allen Touristenkramständen gesucht haben. Unsere Casas besitzen alle Kugelschreiber mit ausländischer Werbung. So sieht Mangelwirtschaft Made in Cuba aus.

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