Tag 9: Endlich der erste Auswärtspunkt

24. Juni 2012. 20:21 Uhr. Zimmer 107, Cua Dai Hotel. Hoi An, Vietnam.

Nachdem wir heute Morgen ausgeschlafen und gefrühstückt hatten, entschieden wir einstimmig, dass wir noch mal ausschlafen mussten. Gesagt, getan. Als wir dann wirklich komplett ausgeschlafen waren, mussten wir dringend ein bisschen entspannen. Auf dem Stadtplan ist eine Straße eingezeichnet, in der es mehrere Wellness-Center gibt, in denen alle erdenklichen Formen der Massagekunst angeboten werden. Ebenfalls auf dem Stadtplan hatten wir gesehen, dass fast auf dem Weg dorthin ein Stadion liegt. Das wollten wir natürlich auf keinen Fall verpassen, also war der Plan für den Tag schnell bestimmt.

Straßenschild

Straßenschild

Nachdem wir losgegangen waren und nicht mehr genau wussten, wo wir uns genau befanden, fiel auf, dass irgendjemand den Stadtplan im Hotel vergessen haben musste. Aber da sich für europäische Ohren die Straßennamen sowieso alle gleich anhören, beschlossen wir, dass wir unser Ziel auch ohne Plan finden würden. Das ging wahrscheinlich schneller, als den Straßennamen vom Schild auf dem Plan oder umgekehrt zu finden. Also liefen wir ein bisschen durch die Stadt und sahen uns ein wenig um.

Zum Glück stand ein Eingangstor offen, denn ansonsten wären wir wohl an dem Stadion vorbei gelaufen. Von außen war es jedenfalls nicht als solches erkennbar. Im Inneren erkannte man dann doch, dass es ein Stadion war. Es gab ein Fußballfeld, viel Platz außen herum und Tribünen auf drei Seiten des Spielfeldes, bestehend aus jeweils acht Stufen. Eine Hintertortribüne gab es nicht mehr bzw. hat es nie gegeben. Man weiß es nicht so genau. Auf Höhe der „Mittellinie“ befand sich die VIP-Tribüne mit Klappsesseln, alles andere waren Stehplätze. Also fast so ähnlich wie die Alte Försterei.

Haupttribüne

Haupttribüne

Es waren gerade zwei Männer auf dem Platz, die Ecken einstudierten. Einer von ihnen war barfuß, dafür aber ziemlich schnell auf dem trockenen Rasen unterwegs. Einige weitere Spieler kamen nach und nach auf den Platz, alle trugen Trikots. Das sah ganz nach den Vorbereitungen zu einem Spitzenspiel in der vietnamesischen Kreisliga aus. Als wir gerade wieder gehen wollten, kam ein weiterer Spieler in voller Montur auf seinem Moped angefahren. Im Gegensatz zu seinem barfüßigen Mannschaftskameraden trug er aber Schuhe. Es waren zwar Schuhe ohne Stollen für die Halle, aber Schuhe sind Schuhe.

Nach ein paar weiteren Minuten Fußweg hatten wir auch die Spa-Straße gefunden, uns eins ausgesucht und uns für eine 90-minütige Ganzkörpermassage mit Aromaölen entschieden. Vorher mussten natürlich die Füße gereinigt werden. Und wie ginge das besser als in Rosenwasser? Richtig, gar nicht. Also haben wir jeder eine Metallschale mit Wasser bekommen, in dem Rosenblüten schwammen und die Füße eingeweicht wurden.

Dazu wurde Tee mit Kamillen-Zimt-Ingwer-Geschmack (oder so) serviert und dann konnte es losgehen. Die beiden Vietnamesinnen, die kleiner waren als ich und auch um einiges schmaler, wirkten auf dem ersten Blick gar nicht so kräftig. Als ich dann auf dem Bauch liegend dachte, meine Masseurin würde mir auf dem Rücken herumlaufen, wurde ich eines Besseren belehrt. Ich stellte dann fest, dass sie mit auf die Liege geklettert war und ihr ganzes Körpergewicht in ihre Hände drückte. Es wurde geknetet, was das Zeug hielt, und, wo das nicht reichte, wurde gezogen, verbogen und gequetscht. Während ich so dalag überlegte ich, wie oft hier Touristen nach einer Massage mit Knochenbrüchen behandelt werden müssen und ob Hoi An überhaupt ein Krankenhaus hat. Und wenn ja, ob es so gesund ist, dorthin gebracht zu werden. Fragen über Fragen, die zum Glück nicht von der Massage ablenken konnten. Die anderthalb Stunden vergingen wie im Flug und endeten äußerst verletzungsfrei. Zum Abschied gab es noch mal diesen undefinierbaren Tee.

Restaurant

Restaurant

Vollkommen entspannt wie wir waren gingen wir weiter in die Altstadt, an deren Rande wir eine nette Lokalität fanden, in die wir zum Abendessen einkehrten. Als Vorspeise hatten wir eine Spezialität aus der Region Hoi An: „White Rose“. Das ist dünner Reismehlteig, der um ein Stück Huhn gewickelt wird und tatsächlich aussieht wie eine Rose. Denis hatte als Hauptgericht Reisnudeln mit Geflügel und ich Garnelen mit Kokossuppe. Aus der Milch einer Kokosnuss wurde mit Chili und Lemongras eine Suppe gezaubert und diese mit den Garnelen zusammen in der Nussschale auf offener Flamme gekocht. Super Lecker! Das einzige Problem war nur, dass die Garnelen noch geschält werden mussten und dafür ziemlich heiß waren. Das Essen war trotzdem ein Gedicht.

An Hoi

An Hoi

Gut gestärkt und entspannt gingen wir ein Stück weiter die Straße hoch und über den Fluss, wo wir dann plötzlich nicht mehr in Hoi An waren, sondern in An Hoi. Dort fanden wir am Ende des Nachtmarkts eine weitere nette Lokalität, in der wir ein Tiger (Bier) und einen Ananasmilchshake hatten. Letzterer schmeckte sehr gut, war aber aufgrund des einen oder anderen Fruchtstückes etwas schwierig durch den Strohhalm zu trinken. Hier hatten wir jedenfalls Zeit, ein bisschen darüber zu philosophieren, dass es neben Vietnamesen hier genau zwei Gruppen von Menschen gibt: Touristen und Australier, die Berliner der englischsprechenden Bevölkerung. Letztere erkennt man an ihrer Einheitskleidung bestehend aus Flip-Flops, Badehosen und ärmellosen Shirts.

Nach der Philosophiestunde machten wir uns auf den Weg Richtung Hotel. Unterwegs versorgten wir uns mit Proviant für unsere Zugfahrt nach Nha Trang morgen. Auf dem Weg fiel einmal mehr auf, wie toll diese Stadt abends nach Räucherstäbchen riecht, die entweder in diesen kleinen „Opferhäuschen“ oder im Boden am nächstbesten Baum angezündet werden.

Außerdem ins Hoi An viel ruhiger und entspannter als die anderen Städte. Das war nicht zuletzt an dem Restaurant zu erkennen, das stolz damit warb, „slow food for a slow life“ anzubieten. Fast Food gibt es in Vietnam aber auch. So haben wir z.B. in Hanoi einen Drive-Through auf Vietnamesisch gesehen. Dabei handelt es sich um ein normales Lokal, vor dem etwa 30 Mopeds samt Fahrer auf der Straße darauf warten, bedient zu werden. Sobald das Essen fertig ist, wird dieses durch die Kellner in Plastiktüten verpackt und an den Lenker des Bestellers gehangen.

Ein Gedanke zu „Tag 9: Endlich der erste Auswärtspunkt

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